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  Critics cleines Blog - wie die amerikanische Axt im Waldi
Du weißt es, ich weiß es. Wir hatten es nie so wirklich leicht miteinander. Wir wohnten mitten in Berlin dicht bei dicht; ich nahm keine Rücksicht auf Dich, Du nahmst keine Rücksicht auf mich. Meine Gäste fanden es erheiternd obskur, wenn Deine Gäste immer wieder im Tiefflug auf meinen Balkon zusteuerten und uns doch jedes Mal um Meterbreite verfehlten. Mir schien es mit der Zeit nicht faszinierend mehr, lästig nur noch war Dein lautes Gebaren, die fehlende Rücksicht auf den Schlaf der Nachbarn, der Dreck, für den Du Dich nie verantwortlich fühltest.
Dennoch tut es mir leid, Dich heute in derartiger Gesellschaft zu sehen. Millionenschwere Schran- zen, die Dir die Ohren vollsingen, wie unver- zichtbar Du seiest und wie besorgt im In- und Ausland man auf Dein baldiges Ableben starren würde. Markiges Gebrüll nur, um ihr eigenes gieriges Knurren zu übertönen. Warum mir bei diesem Anblick das Herz schwer wird? Weil ich in Deiner Nähe erfüllende Liebe fand wie messertiefen Schmerz erlitt. Ich weiß auch nicht, ob Du je meine wohlmeinenden Blicke bemerkt hast, wenn nachtblaue Muster Du auf samtgeschwärzte Erde maltest. Du warst ja immer so beschäftigt mit Dir selbst.

Das wird bald vorbei sein. Die Wehmut überdeckt der Gedanke, daß auf Deinem Rasen dann bei Vollmond Füchse tanzen werden. Und sollte jemals ich melancholisch Dich vermissen, dann wird das Ende von Billy Wilders One, Two, Three mich trösten. Umhüllt von forschem Stolz, den ich zu meiner Zeit nie an Dir sah, bist angekommen Du, wo Dir ein Platz gebührt. In der Vergangenheit.

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bastro, Freitag, 9. Mai 2008, 13:35
Sehr sehr schöner Text! Davon würde ich gerne mehr lesen.