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  Critics cleines Blog - wie die amerikanische Axt im Waldi
Sonntag, 14. Februar 2010
Die Berlinale ist noch in vollem Gange, da erscheint schon das nächste Licht am Horizont. Das Programm des Londoner Lesbian & Gay Film Festivals wurde online gestellt. Der Startschuß ertönt am 17. März, Vorverkauf für BFI Mitglieder beginnt am 19. Februar, für alle anderen eine Woche später.

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Samstag, 13. Februar 2010
Ein Programmhinweis auf eine Dokumentation über street art Künstler: arte zeigt am 25. März den Film Street art the ephemeral rebellion.

DirektFlüchtigkeit


Ein wenig stößt mir die Titelzeile "In a world beyond Banksy there is more to discover" auf. Die Glorifizierung von Banksy, die Personalisierung und Reduzierung der Streetart-Kultur auf ihn, ist nicht seiner Haltung zuzuordnen, sondern immanenter Teil des kapitalistischen Kulturbetriebes. Insofern greift man hier den Falschen an, weil er sich stets gegen die spekulative Verwertung seiner Kunst gesträubt hat. Aber vielleicht ist auch diese Zeile nur wieder eine Finte der Aufmerksamkeitsstrategen und durch nichts in der Dokumentation gedeckt.

via just.blogsport

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Mehr Stars, mehr Glamour, mehr Sponsoren! Wem Kosslicks Attitüde am Allerwertesten vorbeigeht, dem sei gesagt, daß es natürlich auch Blogs gibt, die sich der Berlinale-Berichterstattung widmen. Thomas Groh veröffentlicht in seinem filmtagebuch Berichte über seine Erlebnisse in und vor den Kinosälen. Ebenfalls schreibt er, neben Ekkehard Knörer, Lukas Förster u.a., im Blog des perlentauchers. Auch der epd filmdienst hat ein Blog eingerichtet, das dieses Jahr sogar funktioniert. Mit dabei sind u.a. wieder Stefan Höltgen und Jörg Buttgereit.

Helene Hegemann, Stefan Höltgen, Jörg Buttgereit (v.l.n.r.)

Edit: Noch nachzutragen bleibt, daß die Eröffnungen der Berlinale seit Kosslicks Amtsantritt immer prunkvoller werden. Wenigstens der Bär taucht noch auf inmitten des glitzernden Getümmels.

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Mittwoch, 27. Januar 2010
Ehrlich gesagt interessiert mich das einen feuchten Kehricht; auch dort wird es genügend Hartz IV Empfänger geben. Die dürfen sich freuen, jedenfalls wenn sie an japanischer Kinokultur interessiert sind. Denn nicht nur hat das Filmmuseum Düsseldorf die vierte japanische Filmwoche zusammen mit dem entsprechenden Generalkonsulat organisiert - zu allem Überfluß werden auch noch alle Filme kostenlos gezeigt!

Wer jetzt noch Hirokazu Kore-edas wunderbaren Film After life (Wandafûruraifu) verpaßt, dem ist vermutlich auch nicht mehr mit meiner alten Besprechung selbigen Filmes zu helfen.

via Japankino

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Donnerstag, 7. Januar 2010

VimeoDirect37

Keine Frage. Dieser Film ist von seltener technischer Perfektion. Die Bewegungen sind harmonisch, die Texturen der Animation wirken in der Beleuchtung natürlich. Klarer Fall, hier ist ein Könner am Werk, dem ich von ganzem Herzen viel Erfolg bei seinen künftigen Projekten wünsche.

Was sich mir aber überhaupt nicht erschließen will - warum ist überall in den Kommentarspalten uneingeschränkte Bewunderung zu finden? Der Mann ist ein exzellenter Handwerker, aber alle Welt tut so, als ob man froh sei, dem neuen Michelangelo die Füße küssen zu dürfen. Niemand scheint zu merken, daß das emotionale Zentrum des Filmes ein einziges schwarzes Loch ist. Auch thematisch ist das Werk unterbelichtet. Es wird weder ausreichend der architektonische Raum erkundet (was zum Teufel haben die fliegenden Objekte darin zu suchen - außer zu zeigen, daß Alex Roman noch mehr Objekte gleichzeitig rendern kann) noch genügend den Anfängen der Fotografie gehuldigt. Von einer gewinnbringenden Symbiose beider Themenkomplexe mal ganz zu schweigen.

Aber das stört offenbar niemanden. Das Appleprinzip hat sich wohl endgültig durchgesetzt. Style over substance. Oder wie wir Bauhausler zu sagen pflegten: Form follows form.

via Stylespion

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Montag, 31. August 2009
oder:

Darf man auf die historische Genauigkeit in Inglourious Basterds pfeifen?

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Freitag, 21. August 2009
Au wacka. Fast ein Jahr lang das Blog vernachlässigt. Mal sehen, ob es mich noch lieb hat. Wenn es in der Zwischenzeit, allein, unbeaufsichtigt, einsam, im Internet Kontakt zu zwielichtigen anderen Internetseiten (Yahoo! Facebook!!!) aufgenommen und von diesen evolutionär den Gebrauch von Laseraugen zur Menschheitsvernichtung erlernt haben sollte – meine Musiksammlung kriegt Nemo und meine DVDs vermache ich FunkDogg.

Hm. Also noch ist nichts Schlimmes passiert. Noch. Da will ich die mir verbliebene Zeit nutzen und auf den Youtube-Channel Movies In A Minute verweisen. Wer hätte das gedacht - der Titel ist Programm. Doch der Zusammenschnitt, inklusive Vorspann, Handlung & Abspann, erfolgt derart, daß die Interpretation des Internetkünstlers sichtbar wird. Die sich im günstigsten Fall überhaupt nicht mit der Absicht der Filmemacher deckt. Sei es, um die implizite Moral von Pretty Woman, das peinliche Gesinge von Bette Midler in Beaches, die unterschwellige Homosexualität von Pumping Iron oder die Besetzungscouchstrategie aus Center stage aufzuzeigen. Den Vogel schießt aber der Zusammenschnitt von Philadelphia ab:



You're damn right!

So jetzt habt ihr erst mal wieder ein Jahr Ruhe vor mir.
Oder auch nicht.

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Donnerstag, 4. September 2008
Das British Film Institute (BFI) wird 75! Grund zur Freude, ist es doch eine britische Institution, die gleichermaßen der Förderung wie der Archivierung von Filmen verpflichtet ist. Die für Veröffentlichungen ausgewählten Filme und deren Umsetzung auf DVD sind vorbildlich und das Ankündigen eines neuen Prints könnte auch in Deutschland mal die Runde machen.

Leider fällt den Verantwortlichen zur Feier des Tages nichts anderes ein, als nach der Zukunft des Kinos zu fragen. Da kommen dann von den Befragten so außergewöhnliche Antworten wie "Da könnte jetzt jemand mit einer billigen Videokamera draußen rumlaufen und sich letztendlich als größter Regisseur aller Zeiten erweisen" oder "Mich begeistert, daß bewegte Bilder die einzige global funktionierende Sprache sind". Zumindest letzteres ist eine fette Lüge, die ich einem Filmkritiker nicht zugetraut hätte.

Zum Ausgleich kann man immerhin bei einer Wahl mitmachen, welchen Film man mit den zukünftigen Generationen teilen will. Wobei die zukünftigen Generationen in diesem Fall die Kinobesucher des Monats Januar sind, in dem die ersten fünf Nominierten gezeigt werden.
Ganz schön viel Konsensfilme sind nominiert worden, wenn man mich fragt. Interessanter ist da fast schon, wer welchen Film gewählt hat. Von Juliette Binoche hätte ich etwas wie Tarkowskijs Das Opfer erwartet, von Cate Blanchett einen Stalker eher nicht. Ken Loach ist mit einem Werk Jirí Menzels sympathisch wie immer, wohingegen Simon Pegg sich den unwahrscheinlichsten Coenfilm ausgesucht hat. Vielleicht sollte ich mit Sigur Ros gehen und für den verführerischen Valerie and her week of wonders stimmen. Der Film ist übrigens gerade als DVD von Second Run veröffentlicht worden, die den Film neu digitalisiert und ihm eine neue Untertitelung spendiert haben.
Ich würde mal sagen: Das ist die Zukunft des Films.

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Dienstag, 19. August 2008
Das Fantasy Film Fest befindet sich in Berlin im Sinkflug. Zeit also für Die Neue Innerlichkeit und Filme, die große philosophische Fragen aufwerfen. Wer bin ich? Was mache ich hier auf der Erde? Warum gehen mir die anderen Menschen derartig auf den Sack?

Die letzte Frage kann Geirr aus The art of negative thinking (Kunsten å tenke negativt) leicht beantworten. Querschnittsgelähmt hat er sich von der Welt zurückgezogen und kompensiert seine Impotenz mit der Daueransicht von Krawengfilmen. Seine Freundin Ingvild leidet unter seiner selbstgewählten Isolation. Abhilfe soll eine Selbsthilfegruppe schaffen, die von der Psychologin Tori in der Kunst des positiven Denkens unterrichtet wird.
Das große Plus des Filmes ist sein Konzept, der Verlogenheit des Positive Thinkings ins dumme Gesicht zu spucken. Und wie! Beachtlich ist nicht nur die erheiternde Renitenz von Geirr, die bald die ganze Gruppenstruktur aufbricht, sondern auch die Konsequentheit der Filmemacher, nicht die Tiefe der Charaktere aus den Augen zu verlieren. Das Auf und Ab des täglichen Lebens ist nicht deshalb verschwunden, weil man seine Beine nicht mehr bewegen kann. Leider sind manchmal die Übergänge zwischen dem Auf und dem Ab etwas holperig geraten, die Zuspitzung der Situation innerhalb einer Nacht ist der Inszenierung nicht hundertprozentig gelungen. Der Dogmastil, die tollen Schauspieler und unglaublich komische Dialogzeilen machen diesen Mangel teilweise wieder wett. Und keine Bange - Nihilismus ist nicht die Flagge, unter der der Film segelt.

Es raunt schon länger durch die Medien, dass der Asienhype beendet ist. Beredtes Zeugnis dafür legt Mad Detective (Sun taam) ab. Ein schizophrener Cop kann die „inneren Persönlichkeiten“ der Menschen sehen. Aha. Bei einem Polizisten, der vermutlich seinen Kollegen umgebracht hat, sieht er sogar sieben Anteile. Sieben Todsünden. Huiuiui. Wie tiefsinnig. Wenn er sich lange genug einbuddelt, dann hat er sogar Visionen vom Tathergang. Soso.
Nun bin ich prinzipiell bereit, auch dem kompliziertesten Filmprinzip zu folgen. Wenn es in sich kohärent ist und eine Aussage tätigt, die anderweitig nicht erzielt werden kann. Johnny Tos Mad Detective hat nichts davon. Die bildliche Referenz auf die “inneren Persönlichkeiten” der Protagonisten ist weder psychodynamisch noch metaphorisch sinnvoll, sondern einfach eine oberflächliche visuelle Spielerei. Die aber dem FFF-Publikum ausreichte und mit viel Gekicher (ja, Halluzinationen sind schon eine lustige Sache) bedacht wurde. Konsequent dann wenigstens, dass die Bildgestaltung kaum an einen Tatort heranreicht. Wahrscheinlich waren alle guten Kameramänner in die Olympiavorbereitungen einbezogen.

Eine wahre Wohltat war danach Sean Ellis’ The Brøken. Ein unterkühlter Grusler, der seine Geschichte umkreist wie ein Hai einen Ertrinkenden. Macht es etwas, dass man die Auflösung zehn Meilen gegen den Wind riecht? Nicht die Bohne, wenn der Film so fein die Entfremdung in blaugraue Bilder packt und das Geschehen auf der Tonspur andeutet. Er hat einige der befremdlichsten Bildkompositionen seit langem und wenn der Film mal zuschlägt, dann aber richtig. Nicht mal die Tatsache, dass ich Lena Headey, die Hauptdarstellerin, unsympathisch fand, konnte mir den Film vermiesen. Auch nicht selbstverständlich heutzutage – man hat nicht das Ende auf Deibel komm raus massenkompatibel gemacht. Wenn man mir noch eine Erklärung abgeben könnte, was der Film auf der metaphorischen Ebene erzählen will, dann wäre ich rundum zufrieden. Muß aber auch nicht sein.

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Montag, 18. August 2008
Those who do not remember the past are condemned to repeat it.

Schwarze und weiße Punkte tanzen in mattem Licht über den Bildschirm. Zwei Schritte rechts, ein Schritt nach links, halbe Drehung, Auslöschung. Es könnten die Schritte eines israelischen Punks in den Achtziger Jahren zu PILs This is not a love song sein. Oder die letzten Zuckungen eines von Kugeln durchsiebten Körpers. Im Moment aber nur die zufälligen Bewegungen in einem Fernseher, die sich in den Augen der Frau widerspiegeln. Sie jedoch sieht weder Schwarz noch Weiß, sondern nur Grau. Das schmutzige Grau der Straße, auf der sich ein Flüchtlingstreck bewegt. Müde Beine schlurfen über den Boden, den Staub aufwirbelnd. Der Hunger hat sich im Gedärm eingenistet und schon die Muskeln bis auf die Knochen abgenagt. Zuviel nahm er manch jungem Wesen, das am Wegesrand den Bäumen nun als Dünger dient. Doch weiter schleppt sich unter fader Sonne der Zug. Eine Bewegung fährt durch ihn wie Wind durch ein Getreidefeld. Zwei Schritte rechts, ein Schritt nach links, halbe Drehung. Die zufälligen Bewegungen ersterben auf nacktem Acker. Stumm umringt die Gruppe ein totes Pferd. Seine steifen Beine ragen wie Wegweiser in den Himmel. Fliegen waren schon vor den Menschen da. Viel früher, wie die Maden beweisen.
Hunde. Das erste, was man in Ari Folmans Film Waltz with Bashir sieht, sind Hunde. Eine Meute, auf wilder Hatz durch die Stadt, alles niederrennend. Ein Traum nur. Ein Alptraum eher. Denn die 26 Hunde sind tot. Getötet im Libanon vom Israeli Boaz Buskila, der seinen Freund Folman nach dessen Kriegserinnerungen befragt. Seltsamerweise weiß Folman nahezu nichts mehr über die damalige Zeit, obwohl er an der Besetzung Süd-Libanons und der Unterstützung der libanesischen Phalangisten in Sabra und Shatila beteiligt war. Er nimmt uns Zuschauer deshalb mit auf die rote Backsteinstraße der Erinnerung, trifft alte Freunde, ehemalige Soldaten seiner Einheit und damalige Kriegskorrespondenten. Stück für Stück reißt er die Mauer des Vergessens ein, die ihn und seine Landsleute zwar vor der bitteren Wahrheit schützt, aber sie auch zu Symptomträgern des kollektiven Vergessens werden lässt.
Das Vorgehen des Filmes ist leichterhand als Gesprächstherapie abzustrafen. Man träfe damit sicherlich ins Schwarze. Andererseits aber auch nicht, da im Film das soziopsychologische Problem verhandelt wird, welche Narben das Militär in den jungen Seelen hinterlässt. Dies ist eine der Perfidien des Krieges – die grauenhaften Geschehnisse werden denjenigen ins Gedächtnis gebrannt, die sich besonders schlecht dagegen abgrenzen können. Häufig unfähig, ihre Schuld- und Ohnmachtsgefühle zu artikulieren, kranken sie an den Erlebnissen und tragen die unterdrückten Erinnerungen in die nächste Generation, wo sie in neuen Gewalttätigkeiten Ausdruck finden. Ein fataler Kreislauf, den man gerade im Konflikt Israel - Palästinenser durchbrechen muss. Das heroische Abfeiern der Freilassung von Samir Qantar sind erneute Mahnung, dass Schweigen und Vergessen das Gegenteil von Zukunft sind.
Den Film als Animation zu konzipieren, war eine weise Entscheidung. Die Mischung aus holzschnittartiger Figurengestaltung und graffitiartigen Hintergründen, eine exquisite Komposition des Grafikers Yoni Goodman, ist nicht nur eine ästhetische Seherfahrung, das Wesen des Animationsfilmes trifft auch ausnehmend stimmig den Charakter des Filmes. Die Zeichnungen belegen einerseits die Distanzierung des Erzählers Folman (und eben auch des Zuschauer) vom nicht-erinnerten Geschehen. Andererseits geben sie Raum für poetische Metaphern, die in einem Realfilm leicht deplaziert und märchenhaft entrückt wirken könnten. Stellenweise sorgt die lyrische Komponente des Filmes trotz des ernsten Themas für eine schwebende Leichtigkeit. Der letztendliche Einbruch der Realität in die Filmrezeption wirkt dadurch umso brutaler.
Die Messer zusammenklappend, setzen sich die Menschen wieder in Bewegung. Zwei Schritte vor, halbe Drehung der Sonne nach rechts. Sie berührt am Horizont das jetzt noch kahlere Feld. Ausgelöscht das beißende Gefühl im Bauch. Das Grollen kommt nur noch von fernen Einschlägen, die Kanonenblitze gleichen einem Wetterleuchten. Wild winden sich schwarze und weiße Punkte auf dem Auge der Frau. Zwei Schritte rechts, ein Schritt nach links, Auslöschung auf der schwarzen Pupille in der Mitte. Kein Bild des Pferdekadavers dort.
Die Kontinente des Todes und des Lebens trennt ein unüberwindbarer Graben. Manchmal sind wir gezwungen in diesen Abgrund zu schauen. Dann umfängt der Abgrund uns und lässt uns nie wieder los.

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