Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken &handeln! Willst du auch an der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos
und Materialien:
  Critics cleines Blog - wie die amerikanische Axt im Waldi
Werbung galt in den Nachkriegsjahren, zumindest in der BRD, als ein wesentlicher Faktor für die Verbesserung der Lebensbedingungen. Die dahinterstehende Ideologie war so simpel wie falsch: Werbung ermögliche den Vergleich zwischen verschiedenen Anbietern und demzufolge die Durchsetzung des besten Produktes. Adam Smiths Hand lebt. Dennoch wurde Werbung bis weit in die Siebziger hinein vom Publikum interessiert beobachtet, unter anderem auch, weil sie Kreativitätsspielwiese war und damit dem Zeitgeist Ausdruck verleihen konnte (s.a. Thomas Grohs filmtagebuch zu Afri Cola).

In den Achtzigern sank mit zunehmender Werbeflut das Interesse daran und das Musikvideo wurde zum dominierenden Sektor, in dem sich künstlerich Ambitionierte ihre Brötchen verdienen konnten. Die ideelle Aufwertung dieser Tätigkeit hat sich mir nie so ganz erschlossen, weil schon zu dieser Zeit Musikgruppen größtenteils Handelswaren der Musikindustrie darstellten. Aber in der Jugendkultur identifiziert man sich eben statt über Chiquita Banana lieber über Bananarama.

Seit den Neunziger brüllt die Kaufmich-Botschaft auf allen Kanälen auf uns ein, so daß sich der allgemeine Tenor breitgemacht hat, Werbung sei böse, böse, ultraböse. Doch wo Schatten ist, da muß auch Licht sein. Was gerne unterschlagen wird, ist der (sicherlich marginale) Anteil an Werbeausgaben, die für kulturelles, soziales oder wissenschaftliches Sponsoring ausgegeben wird. Etliche Veranstaltungen kämen ohne dieses dem früheren Mäzenatentum vergleichbare Verhalten nicht zustande. In der Branche hat sich das Motto "Tue Gutes und berichte darüber" längst etabliert.

Am Schönsten ist es natürlich, wenn der Part "Berichte darüber" so ansehnlich ausfällt wie bei der VW-Kampagne zur Unterstützung des unabhängigen Kinos. Das Konzept ist so simpel wie belustigend - man interpretiert Filmklassiker um und kontextualisiert sie neu. Famose Beispiele sind Toy Story, Lord of the rings oder Die Hard. (E.T. ist auch fein, aber bei Youtube nicht aufzutreiben.)
Mein Favorit bleibt aber immer noch die Interpretation von Ghostbusters:


Youtube Direktverfettung


Ähnlich gelungen ist die Aufforderung von Orange, im Kino bitteschön sein Handy abzuschalten (ebenso wie rechtzeitiges Erscheinen keine Selbstverständlichkeit in Großbritannien). Der tolle Trailer mit Angelica Huston ("ÖÖÖK! Ms. Huston, we've got a problem.") ist leider noch nicht bei Youtube aufgetaucht. Fein sind aber die Varianten mit Patrick Swayze, Roy Scheider, Steven Seagal, Darth Vader und ... äh ... na dem kleinen Hobbit da. Mein Favorit ist aber immer noch Rob Lowe:


Youtube Direktanmache

Wir geben zurück ins Gard Haarstudio.

Kommentieren



jean stubenzweig, Mittwoch, 10. September 2008, 15:51
«Früheres Mäzenatentum»? Na, ich weiß nicht so recht. Bald drei Jahrzehnte hat eine gerade in den globalen Orkus gespülte ehemalige Großbank vorgeführt, daß Horaz' Gesang

«Uralt edeln Geschlechts fürstlicher Sproß, Maecenas
Du mein Schutz und mein Hort, du o mein Schmuck, mein Stolz»


auch funktioniert, ohne jedem Kunden ein Emblem an die Stirn zu tätowieren. Erst die Übernahme durch eine allgemeine Verunsicherung hat diese Kunst- und Kulturförderung beendet.

Das ist nur ein Beispiel. Es gäbe der (früheren) exemplarischen Fälle so viele. Mein Notizblock (nicht Blog!) ist erfüllt von ihnen.

tschill, Mittwoch, 10. September 2008, 18:18
Nun fände ich es prinzipiell auch schöner, wenn man nicht die Hand lecken müßte, die einen füttert. Andererseits wäre die Welt um einiges ärmer, hätte beispielsweise der Goethe nicht den Marx und der Engels den Schiller mit durchgezogen, indem sie bei Hofe respektive der Familie lieb Kind gespielt hätten.

Man unterschätze auch nicht das Bürgertum. Es ist nicht immer die Öffentlichkeit Ziel der Selbstdarstellung. Welch feineren Hinweis auf die vermeintliche Solvenz des kriegsgeschwächten Königs gibt es, als daß er in einem Nebensatz fallen ließe, er gedenke, sich noch einen zweiten Hofnarren zuzulegen.

jean stubenzweig, Donnerstag, 11. September 2008, 04:46
Nun gut, das liegt ein paar Tage zurück, das mit den Hofnarren Horaz, Properz, Vergil et cetera, wenn solch fürstliches Gehabe bei weitem auch nicht ausgestorben ist, oder besser: seine Rennaissance erfährt. Mir ging es primär um den Hinweis, daß es auch ohne Sponsoring genanntes steuerlich absetzbares Werbegetöse ging und ginge und, meinetwegen, geht. Die hanseatisch-pfeffersäckige Bürgerpflicht mag da ein positives Beispiel sein (das zudem ebenso Steuervorteile bringt). Mir sind Unternehmer bekannt, die fördern, ohne sich eine Spendenquittung unterschreiben zu lassen.

Aber ich unterliege ohnehin der ältlichen Auffassung, daß hierzulande zuviel US-amerikanischer Sponsorenrummel stattfindet, selbstredend staatlich gefördert, weil die Finanzminister dann keine haushaltssanierenden Volksgelder verschwenden müssen, über die sie schließlich zu wachen haben. Aber noch gibt es in Deutschland ein anderes Kunst- und Kulturförderungssystem. Das ist gerne ein bißchen untergegangen worden.

tschill, Donnerstag, 11. September 2008, 10:36
Bei mir untergegangen worden, weil thematisch nicht so recht passend. Ich vermute mal, wenn ich das Stubenzweig so betrachte, daß die Probleme mit dem anderen Kunst- und Kulturförderungssystem Ihnen nicht ungeläufig sind. Kann nur aus der Ferne über die deutsche Filmförderung richten, deren Vergabegebaren sich sogar in Neuseelands Topless women talk about their lives niederschlagen. Wenn die Filmförderung den x-ten Augenbluten verursachenden Betroffenheitsgrübelschmonzes aus den immergleichen Kämpen preßt, dann darf man sich schon fragen, ob das nicht l'art pour l'artiste ist. Oder eher: für dessen Geldbeutel.
Wobei ich zugeben muß, daß die Qualität im Filmsektor sich in den letzten zehn Jahren etwas verbessert hat.

P.S.: Sie müssen übrigens mehr schlafen, ich fange an, mir Sorgen zu machen.

tschill, Freitag, 21. August 2009, 18:58
Mittlerweile ist auch der Trailer mit Angelica Huston aufgetaucht. Dafür ist der neue Spoof, eine Audiokommentarsitzung mit Juliette Lewis zu ihrem Martial Handy Film Fngrz of Fury, noch nicht online.