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  Critics cleines Blog - wie die amerikanische Axt im Waldi
Heute ist ein internationaler Feiertag. Kein so brauchbarer wie der 21. Juni (Tag des Schlafes) und der 19. September (Sprich-wie-ein-Pirat-Tag), aber dennoch einer, an den man erinnern sollte - Weltsuizidtag. Die Kirchen natürlich mittenmang mit sinnvollen (Ein Tag, an dem man auf ernsthafte Probleme im Umfeld reagieren solle) bis gagaistischen (Suizid ist eine vermeidbare Katastrophe) Mahnungen. Dabei sollte sich es auch bis zu ihnen herumgesprochen haben, daß Leute wie Emile Durkheim oder Edwin Shneidman Kategorien jenseits der Todsündennummer verortet haben. Um einer Welt zu entgehen, die man sich nicht ausgesucht hat und deren Komplexität verhindert, daß man es sich immer nach eigenem Gusto in ihr einrichten kann, bleibt Suizid ein Menschenrecht. Eines, das nicht verschwiegen werden sollte. (s.a. Der Selbstmord von Roger Willemsen)

Nun also nach Roger Willemsen gleich Weltsuizidtag. Wie immer kümmert sich die Welt aber einen Scheißdreck um uns, alles muss man alleine machen. Findige hofften schon auf die Selbstregelung durch Die Teufelsmaschine®, welche heute an den Start geht. Sascha Lobo gibt auf dem Spreeblicktwitterkanal anlässlich des Ereignisses den guten Rat, jetzt Zeuge Jehovas zu werden, verkalkuliert sich aber mit dem Break-Even-Point genauso wie die Todessehnsüchtigen, weil die Betriebstemperatur für die Ernte der Schwarzen Löcher nicht sofort erreicht wird. "Aber vielleicht im nächsten Jahr!", möchte man angesichts dessen in die frohgemute Runde werfen. Ich für meinen Teil finde die Religionsgemeinschaft extrem unattraktiv. Das langfristige Problem der Zeugen Jehovas, dann ewig auf einer Erde weiterleben zu müssen, die einer enorm gesteigerten Gravitationskraft ausgesetzt ist, erscheint mir weniger verlockend als einfach nur tot zu sein.

Wenn sich das mit dem Universumssterben nicht einfach im Selbstlauf erledigt, dann folgen wir dem Kirchenrat und schauen uns um, welche ernsthaften Probleme die Welt so bewegen. Wie immer ist es der Tanz ums Goldene Kalb, der mächtig pressiert. Eine Firma hat ein (in Zahlen: 1) iPhone ausgelobt für denjenigen, der ein bestimmtes Stichwort auf seiner Internetseite platziert und am Ende in der Google-Suchliste ganz oben landet. Abgesehen davon, daß das Ranking von Google manipulierbar ist, ist es unfassbar, wie über Nacht die Suchliste explodiert ist. Gab es gestern abend noch etwa 10 Einträge, sind es heute bereits über 1000. Mit dabei sind illustre Vertreter wie Udo Vetter, dessen lawblog ich ansonsten schätze und von dem man eigentlich annehmen sollte, daß er sich so ein Telefon (schon merkwürdig, wenn man das Ding mal bei seinem richtigen Namen nennt und es so von seinem werbestrategischen Überbau befreit) selbst kaufen kann. Sein Versprechen, den Gewinn partiell mit seinen Lesern zu teilen, mildert zumindest ein wenig meinen Unmut. Aber ich habe sogar überlebt, daß ich dereinst eine arme Wurst ca. 150 handschriftlich ausgefüllte Karten für eine Autoverlosung in den Briefkasten werfen sah. Pech gehabt, Welt, heute musst Du Dich allein entleiben.


Update via toureiro

Quantenknecht hat dem heutigen Tag den schönen Titel "Happy Beam Day" verpaßt - ein schönes Gegengewicht zum mürrisch anmutenden Wort "Weltsuizidtag".

Groovy Gecko hat einen Livestream aus dem Cern eingerichtet. Die ersten Bilder jenseits des Erwartungshorizontes! Wow!


Update 2 via Spreeblick

Für alle, die immer noch voll Furcht sind, wurden Webcams im CERN aufgestellt.


Update 3

Offenbar hat Google selektiv den erwähnten lawblog-Artikel rausgekickt, weshalb der ursprüngliche Beitrag nicht mehr vorhanden ist. Der Gedanke, daß es keinen Gewinner außer dem Ausschreibenden geben wird, liegt nahe und ist gleichermaßen befriedigend wie ekelerregend. Der [Body]count liegt übrigens mittlerweile bei 10.000 Seiten. Arme Irre.

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jean stubenzweig, Mittwoch, 10. September 2008, 15:34
Ich folge dieser feinsinnig formulierten Argumentation gerne. Aber bis in den (Frei-)Tod?