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Sonntag, 18. Mai 2008
am Sonntag, 18. Mai 2008, 14:35 im Topic 'Politix & Demokratur'
gegen den Überwachungsstaat
Weil es mit absurdesten Anfangsverdachtsmomenten wie dem Verfassen von Texten in linksbündigem Times New Roman oder dem Nichtgebrauch eines Handys jeden treffen kann.
Weil man den Verantwortlichen überhaupt nicht trauen kann, daß sie wissen, was sie da tun.

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Dienstag, 13. Mai 2008
am Dienstag, 13. Mai 2008, 02:05 im Topic 'Leben oder so'
...sind wir natürlich gerne Freund und Helfer. Wenn bei diesen sommerlichen Temperaturen selbst in der U-Bahn durchgesagt wird, daß man immer genügend Flüssigkeit zu sich nehmen soll, dann möchte man auf keinen Fall riskieren, daß sich die Streife wegen fulminanter Dehydrierung nicht mehr um unser Wohlergehen kümmern kann. Hand over statt Hands up. Sehr löblich.


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am Dienstag, 13. Mai 2008, 01:45 im Topic 'Scheibenwelt'
Die Veröffentlichung von The Round-Up (Szegénylegények) ist es mir wert, auf das hervorragende britische DVD-Label Second Run hinzuweisen. Das Programm dieses 2005 gegründeten Unternehmens setzt sich schwerpunktmäßig zusammen aus vergessenen Meilensteinen des osteuropäischem Kinos, amerikanischen Independentproduktionen und dem Filmpendant zur Weltmusik. Die Leute, die nebenbei auch für die Aufführung ihrer Filme im Kino sorgen und sich dort im Foyer die Beine in den Bauch stehen, sind nicht nur Enthusiasten, sondern verstehen auch ihr Handwerk. Anamorphe Kodierung im Originalbildformat, Restaurierung kurz unterhalb des Standards der Veröffentlichungen von Transit und Originalsprache mit Untertiteln – was könnte den Filmfreund mehr erfreuen?
Die Filmauswahl natürlich. Der eingangs erwähnte Szegénylegények beispielsweise ist eine großartige Erzählung aus der Zeit des ungarischen Freiheitskampfes gegen die österreichische Fremdherrschaft. In langen Einstellungen werden uns die in ein Gefängnis zusammengetriebenen Aufständischen präsentiert, ohne daß recht klar wird, wer hier Gut und Böse ist. Miklós Jancsó gelingt es durch die Vermeidung eines Identifikationsangebotes aus dem Ereignis eine Parabel über den Einzug der Moderne zu machen und deren dehumanisierende Mechanismen offenzulegen. Erschreckend, wie aktuell der Film von 1966 angesichts von Abu Ghraib und Guantanamo ist.
Oder nehmen wir The cremator (Spalovac mrtvol); einer der besten Kommentare zur Psychologie des Faschismus, den ich je als Film gesehen habe. Das vergessene Aushängeschild der tschechoslowakischen Nouvelle vague besticht nicht nur durch eine überzeugende Charakterisierung des Mitläufertums, sondern verweist auch mit kommentierender Bildgestaltung, szenischer Desorientiertheit als Zeichen der geistigen Verwirrung und einer musikalischen Untermalung, die das Grauen in säuselnder Süßlichkeit entdeckt, nahezu alle Dramen zur Nazizeit auf die Plätze. Allein die Gestaltung Prags als Nekropole ohne Zukunft mit dem Tempel des Todes als zentraler Stätte ist atemberaubend aufregend.
Auch Polen ist würdig mit Matka Joanna od aniolów vertreten. Mutter Johanna von den Engeln, so der deutsche Verleih- titel, basiert auf realen Gescheh- nissen im 17. Jahrhundert. Es wird die vermeintliche Besessenheit eines Nonnenklosters gezeigt, wobei unklar bleibt, ob die Frauen nicht versuchen, sich dadurch der männlichen Verfügungsgewalt zu entziehen. Als ein Priester eintrifft, um Luzifer Einhalt zu gebieten, wird alles nur noch schlimmer. Ein missing link zwischen Dreyer und Nunploitation, den Exorzisten vorwegnehmend, voller unvergesslicher Bilder wie jenes, in denen die Nonnen wie kleine Stukas auf den Altar zuzufliegen scheinen.
Diese unbekannten Perlen, gerade in Deutschland ist Osteuropa immer noch ein blinder Fleck, sind nun alle auch für den heimischen Genuß aufgearbeitet und harren der (Wieder-) Entdeckung. Und da ist noch so viel mehr, das der Erkundung wert ist.
Die Filmauswahl natürlich. Der eingangs erwähnte Szegénylegények beispielsweise ist eine großartige Erzählung aus der Zeit des ungarischen Freiheitskampfes gegen die österreichische Fremdherrschaft. In langen Einstellungen werden uns die in ein Gefängnis zusammengetriebenen Aufständischen präsentiert, ohne daß recht klar wird, wer hier Gut und Böse ist. Miklós Jancsó gelingt es durch die Vermeidung eines Identifikationsangebotes aus dem Ereignis eine Parabel über den Einzug der Moderne zu machen und deren dehumanisierende Mechanismen offenzulegen. Erschreckend, wie aktuell der Film von 1966 angesichts von Abu Ghraib und Guantanamo ist.
Oder nehmen wir The cremator (Spalovac mrtvol); einer der besten Kommentare zur Psychologie des Faschismus, den ich je als Film gesehen habe. Das vergessene Aushängeschild der tschechoslowakischen Nouvelle vague besticht nicht nur durch eine überzeugende Charakterisierung des Mitläufertums, sondern verweist auch mit kommentierender Bildgestaltung, szenischer Desorientiertheit als Zeichen der geistigen Verwirrung und einer musikalischen Untermalung, die das Grauen in säuselnder Süßlichkeit entdeckt, nahezu alle Dramen zur Nazizeit auf die Plätze. Allein die Gestaltung Prags als Nekropole ohne Zukunft mit dem Tempel des Todes als zentraler Stätte ist atemberaubend aufregend.
Auch Polen ist würdig mit Matka Joanna od aniolów vertreten. Mutter Johanna von den Engeln, so der deutsche Verleih- titel, basiert auf realen Gescheh- nissen im 17. Jahrhundert. Es wird die vermeintliche Besessenheit eines Nonnenklosters gezeigt, wobei unklar bleibt, ob die Frauen nicht versuchen, sich dadurch der männlichen Verfügungsgewalt zu entziehen. Als ein Priester eintrifft, um Luzifer Einhalt zu gebieten, wird alles nur noch schlimmer. Ein missing link zwischen Dreyer und Nunploitation, den Exorzisten vorwegnehmend, voller unvergesslicher Bilder wie jenes, in denen die Nonnen wie kleine Stukas auf den Altar zuzufliegen scheinen. Diese unbekannten Perlen, gerade in Deutschland ist Osteuropa immer noch ein blinder Fleck, sind nun alle auch für den heimischen Genuß aufgearbeitet und harren der (Wieder-) Entdeckung. Und da ist noch so viel mehr, das der Erkundung wert ist.
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Donnerstag, 8. Mai 2008
am Donnerstag, 8. Mai 2008, 21:47 im Topic 'Politix & Demokratur'

...und ein Dank an all die Partisanen, Widerstandskämpfer & Exilanten, die sich der Bekämpfung des Faschismus verschrieben haben. Ihr seid nicht vergessen.
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Montag, 5. Mai 2008
am Montag, 5. Mai 2008, 23:50 im Topic 'Schattenlichter'
Slavoj Žižek ist nicht nur selbst im popkulturellen Kontext mit einer charmanten Dokumentation verankert, er beschäftigt sich als Intellektueller auch mit der Dialektik von Popkultur und postmodernem Individuum. Höchst erfreuliche Voraussetzungen also, daß er am 19. Mai im Curzon Mayfair (London) eine interessante Einführung zu Carpenters They Live geben wird. Man darf gespannt sein, was er zum symbolischen Subtext des Filmes beizutragen hat. Vielleicht geht es aber auch um den Wrestler als Schauspielerdarsteller. Bei Žižek weiß man das nie so genau.
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am Montag, 5. Mai 2008, 19:36 im Topic 'Zwischennetz'
Das Problem ist sicher bekannt. Man steht nachts nichtsahnend, weil schlaftrunken, aus dem Bett auf, da sind sie. Aliens. Entführen einen auf ihr Raumschiff, es folgt die ganze Prozedur. Kommunikationsprobleme ("Die sächseln ja! Da könnt ihr lange auf meine Antwort warten."), Leuchtefinger wie bei Ommas Rave und Analsondierungen, bis es langsam keinen Spaß mehr macht. Doch das ganze heulende Elend offenbart sich erst am nächsten Morgen vor dem Badezimmerspiegel. Die Schweine haben einem den Bart abrasiert! Schlimmer, weil mit längeren Wartezeiten fürs Nachwachsen behaftet, trifft es nur noch Menschen im falschen Alter (so ca. 32 Jahre vor der Pubertät) oder im falschen Körper (Frau in Frau).
Doch Abhilfe schafft auch hier das Internet mit seinen fantastischen neuen Gemeinschaftserlebnissen! Einfach zum Tätowierstudio des Vertrauens eilen, den Fingern ein ordentliches Bärtchen verpassen und schon kann man sich unter Fingerstache.ning.com all den Barthuldigern anschließen.

Mehr Fotos unter fingerstache.ning.com
Unser Spezialtip: Wenn es mit der Zeit zu anstrengend wird, den Finger mit Sekundenkleber an die Lippe heften!
Doch Abhilfe schafft auch hier das Internet mit seinen fantastischen neuen Gemeinschaftserlebnissen! Einfach zum Tätowierstudio des Vertrauens eilen, den Fingern ein ordentliches Bärtchen verpassen und schon kann man sich unter Fingerstache.ning.com all den Barthuldigern anschließen.

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Unser Spezialtip: Wenn es mit der Zeit zu anstrengend wird, den Finger mit Sekundenkleber an die Lippe heften!
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Sonntag, 4. Mai 2008
am Sonntag, 4. Mai 2008, 17:31 im Topic 'Leben oder so'

Zwar flauschiger, dafür mit spitzelhafter Gesichtsphysiognomie.
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Freitag, 2. Mai 2008
am Freitag, 2. Mai 2008, 01:47 im Topic 'Schattenlichter'
So circa einmal im Jahrzehnt gibt es einen Film, der die Leidenschaft fürs Kino in einer ganzen Generation erneut entfacht. Für die jetzigen Filmliebhaber dürfte das Tarantinos Kill Bill gewesen sein. Bildästhetisch und erzählökonomisch auf der Höhe der Zeit, ist das Werk neben einer Liebeserklärung an die Macht des Kinos gleichzeitig ein unvollständiger filmhistorischer Abriß über Stile, Genres und Motive, ohne dabei in simples Kopieren zu verfallen. Nicht zufällig trägt der nahezu lexikalisch anmutende und dennoch warmherzig geschriebene Beitrag von Ralf Hess über die Referenzen in Kill Bill den Titel Der sanfte Plünderer.
Nahezu kein Review kam seinerzeit darum herum zu erwähnen, daß das Grundschema von dem fabelhaften Shurayukihime (Lady Snowblood) entlehnt war. Ein verdienter zweiter Frühling für Toshiya Fujitas Film, aber leider fiel dabei ein anderer Stichwortgeber Tarantinos meist unter den Tisch – François Truffauts La mariée était en noir (Die Braut trug schwarz). Dabei sind die Parallelen überdeutlich. Die Braut als Witwe. Fünf Personen. Eine Todesliste, die es Punkt für Punkt abzuhaken gilt, um die Rachegelüste zu befrieden. Fünf Männer, um genau zu sein, die in fünf getrennten Kapiteln von der Göttin der Jagd, verkörpert durch die stoische Schönheit Jeanne Moreau, erlegt werden. Selbst die von Tarantino auf die Spitze getriebene Künstlichkeit seines filmischen Universums findet sich in gewissem Sinne bereits in Truffauts Film. Der Schauplatz der Bluttaten wirkt wie eine Scheinwelt, die entfernte Ähnlichkeit mit Frankreich hat. Bewirkt wird diese Entfremdung durch die emotionslose Maschine, die einst die Braut Julie Kohler war. Sie, die Regeln der realen Welt vergessend, arbeitet nur noch schlafwandlerisch ihren Racheplan ab.
Die Tötungen werden in fünf Kapiteln zelebriert, in denen nach und nach die Geschichte der Braut sich dem Zuschauer offenbart. Diese fünf Abschnitte sind klar von einander abgegrenzt durch die Bewegung der Braut von einem Ort zum nächsten. Der Score von Bernard Herrmann unterstreicht deren Verschiedenartigkeit mit disparaten Leitmotiven, über die sich immer quälender werdend der Hochzeitsmarsch von Mendelssohn Bartholdy legt. Dieser Kapiteltrennung entspricht auch der Rollenwechsel, welchem die Braut im Laufe des Films unterliegt. Geheimnisvolle Verführerin, Traumfrau, Mutter-Huren-Komplex, Muse und abgebrühte Zuchthäuslerin – was immer es braucht, um an die Männer heranzukommen, die Braut füllt die Leerstellen im Denken ihrer zukünftigen Opfer.
Doch Truffaut gibt sich nicht damit zufrieden, fünf kleine Hitchcock-Vignetten abzuliefern, sondern er verbindet sie zu einer großen Erzählung über den dramatischen Abstieg in die Hölle der Rachsucht. Wie später von Tarantino in der Transition von Bride über Beatrix Kiddo zu Mommy entschieden hoffnungsfroher adaptiert, durchläuft auch Julie Kohler eine Entwicklung. Anfänglich mysteriöser Racheengel, körperlos wie nicht von dieser Welt, gewinnt sie in der Filmhandlung mehr und mehr menschliche Züge. Hier manipuliert Truffaut, darin seinem Nestor Hitchcock ähnlich, den Zuschauer mit erschreckender Präzision, indem er Aschluß an dessen Erwartungshaltung findet. Die unausrottbare Hoffnung, durch Leid oder Liebe zu einem edleren Menschen gewandelt zu werden, wird in Die Braut trug schwarz aufs Fieseste vorgeführt, wenn der unausweichliche Niedergang Julies vermeintlich zu einem Stillstand kommt. Wunderschön ist dieses retardierende Moment in das Kleid Julies eingewebt. Julie, die in der ersten Szene an der Seite ihrer weißgewandeten Nichte in einem schwarzen Kleid auftaucht, wird stets in einer dieser beiden Unfarben zu sehen sein. Jedoch im Atelier, als eines der Opfer ihr die Liebe gesteht, streift sie ein Kleid über, das Schwarz und Weiß ineinander verzahnt. Der Keim des Happy Ends wird durch den Schnitt ins eigene Gesicht, so er auch nur auf der Malerleinwand erfolgt, erstickt. Der Abstieg in das Purgatorium des Gefängnisses kann beginnen.
Die größte Leistung Truffauts neben den geschickt inszenierten Spannungsbögen und all den klug dosierten Schockmomenten liegt in der hypnotischen Verführungskraft von La mariée était en noir. Denn spätestens in der Mitte des Filmes müsste unsere Sympathie, die dem weiblichen Opfer gegolten hat, versiegen und dem blanken Entsetzen über ihre Taten Platz machen. Stattdessen ist die Identifikation mit Julie schon so weit vorangeschritten, daß wir ihr noch bewundernd zusehen, wenn sie die Hoffnung auf Erlösung aus der Isolation des Rachegedankens mit einem Blattschuß erlegt. Truffaut zeigt uns unsere moralische Manipulierbarkeit mit den Mitteln des Filmes. Wir Zuschauer folgen dem Filmemacher, so er sein Handwerk beherrscht, bis in die psychopathische Einöde und fühlen uns auch noch gut dabei. Mal ehrlich – ist im Gegensatz dazu die Einbindung des Zuschauers bei Kill Bill oder Lady Snowblood nicht eine Aufgabe für Filmstudenten im ersten Semester?
Nahezu kein Review kam seinerzeit darum herum zu erwähnen, daß das Grundschema von dem fabelhaften Shurayukihime (Lady Snowblood) entlehnt war. Ein verdienter zweiter Frühling für Toshiya Fujitas Film, aber leider fiel dabei ein anderer Stichwortgeber Tarantinos meist unter den Tisch – François Truffauts La mariée était en noir (Die Braut trug schwarz). Dabei sind die Parallelen überdeutlich. Die Braut als Witwe. Fünf Personen. Eine Todesliste, die es Punkt für Punkt abzuhaken gilt, um die Rachegelüste zu befrieden. Fünf Männer, um genau zu sein, die in fünf getrennten Kapiteln von der Göttin der Jagd, verkörpert durch die stoische Schönheit Jeanne Moreau, erlegt werden. Selbst die von Tarantino auf die Spitze getriebene Künstlichkeit seines filmischen Universums findet sich in gewissem Sinne bereits in Truffauts Film. Der Schauplatz der Bluttaten wirkt wie eine Scheinwelt, die entfernte Ähnlichkeit mit Frankreich hat. Bewirkt wird diese Entfremdung durch die emotionslose Maschine, die einst die Braut Julie Kohler war. Sie, die Regeln der realen Welt vergessend, arbeitet nur noch schlafwandlerisch ihren Racheplan ab.
Die Tötungen werden in fünf Kapiteln zelebriert, in denen nach und nach die Geschichte der Braut sich dem Zuschauer offenbart. Diese fünf Abschnitte sind klar von einander abgegrenzt durch die Bewegung der Braut von einem Ort zum nächsten. Der Score von Bernard Herrmann unterstreicht deren Verschiedenartigkeit mit disparaten Leitmotiven, über die sich immer quälender werdend der Hochzeitsmarsch von Mendelssohn Bartholdy legt. Dieser Kapiteltrennung entspricht auch der Rollenwechsel, welchem die Braut im Laufe des Films unterliegt. Geheimnisvolle Verführerin, Traumfrau, Mutter-Huren-Komplex, Muse und abgebrühte Zuchthäuslerin – was immer es braucht, um an die Männer heranzukommen, die Braut füllt die Leerstellen im Denken ihrer zukünftigen Opfer.
Doch Truffaut gibt sich nicht damit zufrieden, fünf kleine Hitchcock-Vignetten abzuliefern, sondern er verbindet sie zu einer großen Erzählung über den dramatischen Abstieg in die Hölle der Rachsucht. Wie später von Tarantino in der Transition von Bride über Beatrix Kiddo zu Mommy entschieden hoffnungsfroher adaptiert, durchläuft auch Julie Kohler eine Entwicklung. Anfänglich mysteriöser Racheengel, körperlos wie nicht von dieser Welt, gewinnt sie in der Filmhandlung mehr und mehr menschliche Züge. Hier manipuliert Truffaut, darin seinem Nestor Hitchcock ähnlich, den Zuschauer mit erschreckender Präzision, indem er Aschluß an dessen Erwartungshaltung findet. Die unausrottbare Hoffnung, durch Leid oder Liebe zu einem edleren Menschen gewandelt zu werden, wird in Die Braut trug schwarz aufs Fieseste vorgeführt, wenn der unausweichliche Niedergang Julies vermeintlich zu einem Stillstand kommt. Wunderschön ist dieses retardierende Moment in das Kleid Julies eingewebt. Julie, die in der ersten Szene an der Seite ihrer weißgewandeten Nichte in einem schwarzen Kleid auftaucht, wird stets in einer dieser beiden Unfarben zu sehen sein. Jedoch im Atelier, als eines der Opfer ihr die Liebe gesteht, streift sie ein Kleid über, das Schwarz und Weiß ineinander verzahnt. Der Keim des Happy Ends wird durch den Schnitt ins eigene Gesicht, so er auch nur auf der Malerleinwand erfolgt, erstickt. Der Abstieg in das Purgatorium des Gefängnisses kann beginnen.
Die größte Leistung Truffauts neben den geschickt inszenierten Spannungsbögen und all den klug dosierten Schockmomenten liegt in der hypnotischen Verführungskraft von La mariée était en noir. Denn spätestens in der Mitte des Filmes müsste unsere Sympathie, die dem weiblichen Opfer gegolten hat, versiegen und dem blanken Entsetzen über ihre Taten Platz machen. Stattdessen ist die Identifikation mit Julie schon so weit vorangeschritten, daß wir ihr noch bewundernd zusehen, wenn sie die Hoffnung auf Erlösung aus der Isolation des Rachegedankens mit einem Blattschuß erlegt. Truffaut zeigt uns unsere moralische Manipulierbarkeit mit den Mitteln des Filmes. Wir Zuschauer folgen dem Filmemacher, so er sein Handwerk beherrscht, bis in die psychopathische Einöde und fühlen uns auch noch gut dabei. Mal ehrlich – ist im Gegensatz dazu die Einbindung des Zuschauers bei Kill Bill oder Lady Snowblood nicht eine Aufgabe für Filmstudenten im ersten Semester?
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Dienstag, 29. April 2008
am Dienstag, 29. April 2008, 12:55 im Topic 'Politix & Demokratur'
Du weißt es, ich weiß es. Wir hatten es nie so wirklich leicht miteinander. Wir wohnten mitten in Berlin dicht bei dicht; ich nahm keine Rücksicht auf Dich, Du nahmst keine Rücksicht auf mich. Meine Gäste fanden es erheiternd obskur, wenn Deine Gäste immer wieder im Tiefflug auf meinen Balkon zusteuerten und uns doch jedes Mal um Meterbreite verfehlten. Mir schien es mit der Zeit nicht faszinierend mehr, lästig nur noch war Dein lautes Gebaren, die fehlende Rücksicht auf den Schlaf der Nachbarn, der Dreck, für den Du Dich nie verantwortlich fühltest.
Dennoch tut es mir leid, Dich heute in derartiger Gesellschaft zu sehen. Millionenschwere Schran- zen, die Dir die Ohren vollsingen, wie unver- zichtbar Du seiest und wie besorgt im In- und Ausland man auf Dein baldiges Ableben starren würde. Markiges Gebrüll nur, um ihr eigenes gieriges Knurren zu übertönen. Warum mir bei diesem Anblick das Herz schwer wird? Weil ich in Deiner Nähe erfüllende Liebe fand wie messertiefen Schmerz erlitt. Ich weiß auch nicht, ob Du je meine wohlmeinenden Blicke bemerkt hast, wenn nachtblaue Muster Du auf samtgeschwärzte Erde maltest. Du warst ja immer so beschäftigt mit Dir selbst.
Das wird bald vorbei sein. Die Wehmut überdeckt der Gedanke, daß auf Deinem Rasen dann bei Vollmond Füchse tanzen werden. Und sollte jemals ich melancholisch Dich vermissen, dann wird das Ende von Billy Wilders One, Two, Three mich trösten. Umhüllt von forschem Stolz, den ich zu meiner Zeit nie an Dir sah, bist angekommen Du, wo Dir ein Platz gebührt. In der Vergangenheit.
Dennoch tut es mir leid, Dich heute in derartiger Gesellschaft zu sehen. Millionenschwere Schran- zen, die Dir die Ohren vollsingen, wie unver- zichtbar Du seiest und wie besorgt im In- und Ausland man auf Dein baldiges Ableben starren würde. Markiges Gebrüll nur, um ihr eigenes gieriges Knurren zu übertönen. Warum mir bei diesem Anblick das Herz schwer wird? Weil ich in Deiner Nähe erfüllende Liebe fand wie messertiefen Schmerz erlitt. Ich weiß auch nicht, ob Du je meine wohlmeinenden Blicke bemerkt hast, wenn nachtblaue Muster Du auf samtgeschwärzte Erde maltest. Du warst ja immer so beschäftigt mit Dir selbst. Das wird bald vorbei sein. Die Wehmut überdeckt der Gedanke, daß auf Deinem Rasen dann bei Vollmond Füchse tanzen werden. Und sollte jemals ich melancholisch Dich vermissen, dann wird das Ende von Billy Wilders One, Two, Three mich trösten. Umhüllt von forschem Stolz, den ich zu meiner Zeit nie an Dir sah, bist angekommen Du, wo Dir ein Platz gebührt. In der Vergangenheit.
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