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Sonntag, 29. Juni 2008
am Sonntag, 29. Juni 2008, 19:06 im Topic 'Schattenlichter'
Heute wird Ray Harryhausen 88 Jahre alt. Ein guter Grund, jenem Mann Tribut zu zollen, der meine kindliche Phantasie mit Geschöpfen aller Art belebt hat.
Das Video zeigt alle animierten Figuren aus Harryhausens Studio, der bis zuletzt nahezu allein für deren Herstellung und Bewegungsaufzeichnung verantwortlich war. Schön ist an dieser Aufstellung vor allem, daß nicht nur die Fabelwesen, sondern auch seine UFOs und Raketen Eingang gefunden haben.
Ray Harryhausens Welten werden für immer einen Platz in meinem Herzen haben, gleich neben King Kong und Gojira.
Das Video zeigt alle animierten Figuren aus Harryhausens Studio, der bis zuletzt nahezu allein für deren Herstellung und Bewegungsaufzeichnung verantwortlich war. Schön ist an dieser Aufstellung vor allem, daß nicht nur die Fabelwesen, sondern auch seine UFOs und Raketen Eingang gefunden haben.
Ray Harryhausens Welten werden für immer einen Platz in meinem Herzen haben, gleich neben King Kong und Gojira.
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Samstag, 28. Juni 2008
am Samstag, 28. Juni 2008, 14:29 im Topic 'Schattenlichter'
Being a fanboy and being proud of it. Hellboy II: The golden army läuft Mitte August an und die Trailer verraten wie üblich zu viel. Deshalb hier nur die Minimalvariante:
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am Samstag, 28. Juni 2008, 14:05 im Topic 'Scheibenwelt'
Cinema Surreal hat angekündigt, daß sie Wenzel Storchs großartigen Film Die Reise ins Glück noch in diesem Jahr verlegen werden. Eine DVD-Veröffentlichung, die man unbedingt erwerben sollte. Wer meinem Wort nicht traut, kann sich den "Machen Sie Urlaub vom Filmalltag"-Trailer auf Wenzel Storchs Homepage ansehen. Aufgrund finanzieller Engpässe, die auch schon die Entstehungsgeschichte von Die Reise ins Glück zum Abenteuer werden ließen, verschiebt sich die Veröffentlichung von Sommer der Liebe und Der Glanz dieser Tage um unbestimmte Zeit.
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am Samstag, 28. Juni 2008, 13:36 im Topic 'Worte, nichts als Worte'
Feuchte Flaggen hängen an den Masten
in den Farben, die kein Land je trug,
und sie wehen für verschlammte Sterne
und den Mond, der grün im Mastkorb ruht.
Wasserwelt aus den Entdeckerzeiten!
Wellen überwuchern jeden Weg,
und von oben tropft das Licht aus Netzen
neuer Straßen in die Luft verlegt.
Drunten blättern Wasser in den Bibeln
und die Kompaßnadel steht auf Nacht.
Aus den Träumen wird das Gold gewaschen
und dem Meer bleibt die Verlassenschaft.
Nicht ein Land, nicht eins blieb unbetreten!
Und zerrissen treibt das Seemansgarn,
denn die tollen, lachenden Entdecker
fielen in den toten Wasserarm.
Ingeborg Bachmann
in den Farben, die kein Land je trug,
und sie wehen für verschlammte Sterne
und den Mond, der grün im Mastkorb ruht.
Wasserwelt aus den Entdeckerzeiten!
Wellen überwuchern jeden Weg,
und von oben tropft das Licht aus Netzen
neuer Straßen in die Luft verlegt.
Drunten blättern Wasser in den Bibeln
und die Kompaßnadel steht auf Nacht.
Aus den Träumen wird das Gold gewaschen
und dem Meer bleibt die Verlassenschaft.
Nicht ein Land, nicht eins blieb unbetreten!
Und zerrissen treibt das Seemansgarn,
denn die tollen, lachenden Entdecker
fielen in den toten Wasserarm.
Ingeborg Bachmann
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am Samstag, 28. Juni 2008, 13:29 im Topic 'Zwischennetz'
Das Kritikerhandwerk ist eines der verhassteren. Gerne wird Kritikern ein Neidfaktor unterstellt, sie werden zu nörglerischen Querulanten stilisiert oder gleich ganz abgebügelt mit dem Aufruf, es erst mal besser zu machen. Ha, dachten sich die Freunde der Riesenmaschine, nicht mit uns. Rationalisierung mittels Fließbandarbeit hat den technischen Fortschritt ermöglicht, nun ziehen wir auf kulturellem Gebiet nach. Überholen ohne Einzuholen heißt die Devise. Ein vollautomatisches semiautomatisiertes Procedere bewertet die Klagenfurt-Beiträge objektiv und ermittelt derart quantifiziert den wahren, einzigen Sieger. Die Jury des Ingeborg-Bachmann-Preises kann sich im besten Fall am Ende noch eine Begründung aus den Rippen leiern. Ein Abschreiben der Riesenmaschine-Kriterien (fundierte Literaturkriterien wie Privatorthographie, Haustiere zur Psychologie missbraucht, Mord und Totschlag -> Bodycount = Punktezahl) würde mich weder verwundern noch enttäuschen.
Nachtrag vom Kommando 1. Juli: Wunder der Totalen Objektivität - das Verfahren der Riesenmaschine hat den Gewinner Tilman Rammstedt zu 100% richtig vorhergesagt. Gratulation. An die göttliche Riesenmaschine.
Nachtrag vom Kommando 1. Juli: Wunder der Totalen Objektivität - das Verfahren der Riesenmaschine hat den Gewinner Tilman Rammstedt zu 100% richtig vorhergesagt. Gratulation. An die göttliche Riesenmaschine.
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Freitag, 20. Juni 2008
am Freitag, 20. Juni 2008, 01:42 im Topic 'Zwischennetz'
Man kann sich den Alltag ohne das Internet gar nicht mehr vorstellen. Wie haben die Altvorderen es nur geschafft, bis zur Geschlechtsreife zu kommen, ohne so nützliche Seiten wie den Umrechnungsservice von Convertworld benutzen zu dürfen? Da erfährt man ungefragt, daß eine amerikanische Tasse ein Volumen von 2.37×10-13 km3 faßt.
Bleibt bloß noch eine Frage: Mit oder ohne Free Refill?
Bleibt bloß noch eine Frage: Mit oder ohne Free Refill?
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Freitag, 6. Juni 2008
am Freitag, 6. Juni 2008, 20:18 im Topic 'Politix & Demokratur'
Boris Johnson, der neu gewählte Bürgermeister von London, hat mir bereits manch frohe Stunde beschert. Hingegen Leute, die ihn wegen der lustigsten Strohfrisur seit "Der Wizard von Oz" gewählt haben, sind perplex. Umsichtig, forsch, bedacht, anpackend, visionär – all das ist Boris nicht. Auch wenn er gerne diesen Anschein mit seiner Neuebesen-Taktik erwecken würde. Seine "unabhängigen" Gutachterkommissionen haben in Windeseile festgestellt, daß sich die Finanzen wegen der Vetternwirtschaft seines Vorgängers Ken Livingstone im Geiersturzflug befinden. Um dem Einhalt zu gebieten, hat Johnson in kürzester Zeit das Rathaus mit alten Kumpels aus Studientagen versorgt und damit jene finanziell. Aber immerhin ist es nun eine ganz andere Familienbande. Sein Politikverständnis bleibt dabei von erfrischender Simplizität. Seine Berater erkennen ein Problem, Boris dekretiert dessen Abschaffung, et voilá - Freizeit! Eine seiner ersten Amtshandlungen war der Befehl an den Chef der Metropolitan Police, die Verbrechensrate um ein Drittel zu senken. Man könnte den Bürgermeister glatt für die Reinkarnation von Erich Honecker halten, sprächen nicht gewichtige Gründe dagegen. Zwingende Gründe wie sein Geburtsjahr.
Richtig ansehnlich werden des Kaisers neue Kleider durch symbolische Ersatzhandlungen, mit denen er seine populistischen Manöver kaschiert. Jene Vorführungen lassen das Wort Budenzauber wie die Bezeichnung für den Studiengang einer Fachhochschule aussehen. Verwundern sollte das niemanden, der den Wahlkampf auch nur für zehn Minuten verfolgt hat. Da gab Johnson schon den Klassenclown, der zwar die direkte Auseinandersetzung mit den politischen Gegnern scheute, aber in der Öffentlichkeit mit großspuriger Tingeltangelbob-Gestik auftrat. Sein Konzept der Kriminalitätsbekämpfung, neben der Freiefahrtfürfreibürger-Rhetorik jenes Themenfeld, das bei seinem beschränkten Horizont noch Platz in seinem Blickfeld fand, hat er auf unnachahmliche, weil für ihn typische Weise vorgeführt. Kinder im Alter von ca. 12 Jahren mussten unter seiner Aufsicht Wände schrubben, die sie mit Graffitis beschmiert hatten. Die Russenmafia ist einen Tag später geschlossen nach Sibirien exiliert, großes Fischsterben in der Themse, weil alle ihre Drogen ins Klo geschüttet hatten, und Jack the ripper kam aus seinem Grab, um sich zu stellen.
Schwerstverbrecher (links rechts mit "Payback London"-Weste)
Vor diesem Hintergrund sind auch die Ereignisse der Tube-Trinkgelage am 31.5. zu verstehen. Es war die Decouvrierung einer vollkommen lächerlichen Idee von Johnson. Schließlich steigen 98% der Besoffenen schon volltrunken in die U-Bahn, so sie denn noch steigen können. Andererseits eine gelungene Ablenkung für eine andere Aktion von Johnson. Kurz vorher wurde von ihm Tim Parker als Deputy berufen, um die U-Bahn aus dem, so Johnsons Darstellung, Würgegriff der Gewerkschaften zu befreien. Die U-Bahnergewerkschaft RMT hat auf diese Berufung entsetzt reagiert, da Parker sich für seine kostensparenden (Neusprech für "geldumschichtenden") Umstrukturierungsmaßnahmen bei anderen Firmen einen Namen gemacht hat. Den Spitznamen "Prince of darkness". Die Londoner Tube, die eh schon marode wie kein zweites Nahverkehrssystem ist, wird sicherlich nicht als Gewinner am Ende dastehen. Die Pendler vermutlich auch nicht.
Aber vielleicht ich, wenn ich mich als Verkehrsberater bei Johnson verdinge und ihm den Vorschlag verkaufe, das Gesamtpaket aus Congestion-Charge- und Nahverkehrssystem an eine Mineralölfirma zu verscherbeln. Das Desaster kann er bestimmt genauso wie die ihn überfordernde Finanzierungslücken für Olympia 2012 seinen Vorgängern anhängen. Wenn nicht, kann er immer noch ein Witzchen darüber reißen. "Treffen sich zwei AIDS-kranke Neger auf dem Arbeitsamt..." dürfte ein guter Einstieg für das avisierte Zielpublikum sein.
Update Freitag, der 13.: Als ob man nicht schon wüßte, daß Boris Johnson keine Verbindung zur gesellschaftlichen Realität hätte, muß er es immer wieder aufs Neue bestätigen. Sein letzter Vorstoß zur Bekämpfung der Jugendkriminalität: Lateinunterricht für gewalttätige Jugendliche. Langsam beschleicht mich das Gefühl, auch seine früheren Witze waren eigentlich ernstgemeinte Vorschläge.
Richtig ansehnlich werden des Kaisers neue Kleider durch symbolische Ersatzhandlungen, mit denen er seine populistischen Manöver kaschiert. Jene Vorführungen lassen das Wort Budenzauber wie die Bezeichnung für den Studiengang einer Fachhochschule aussehen. Verwundern sollte das niemanden, der den Wahlkampf auch nur für zehn Minuten verfolgt hat. Da gab Johnson schon den Klassenclown, der zwar die direkte Auseinandersetzung mit den politischen Gegnern scheute, aber in der Öffentlichkeit mit großspuriger Tingeltangelbob-Gestik auftrat. Sein Konzept der Kriminalitätsbekämpfung, neben der Freiefahrtfürfreibürger-Rhetorik jenes Themenfeld, das bei seinem beschränkten Horizont noch Platz in seinem Blickfeld fand, hat er auf unnachahmliche, weil für ihn typische Weise vorgeführt. Kinder im Alter von ca. 12 Jahren mussten unter seiner Aufsicht Wände schrubben, die sie mit Graffitis beschmiert hatten. Die Russenmafia ist einen Tag später geschlossen nach Sibirien exiliert, großes Fischsterben in der Themse, weil alle ihre Drogen ins Klo geschüttet hatten, und Jack the ripper kam aus seinem Grab, um sich zu stellen.
Schwerstverbrecher (
Vor diesem Hintergrund sind auch die Ereignisse der Tube-Trinkgelage am 31.5. zu verstehen. Es war die Decouvrierung einer vollkommen lächerlichen Idee von Johnson. Schließlich steigen 98% der Besoffenen schon volltrunken in die U-Bahn, so sie denn noch steigen können. Andererseits eine gelungene Ablenkung für eine andere Aktion von Johnson. Kurz vorher wurde von ihm Tim Parker als Deputy berufen, um die U-Bahn aus dem, so Johnsons Darstellung, Würgegriff der Gewerkschaften zu befreien. Die U-Bahnergewerkschaft RMT hat auf diese Berufung entsetzt reagiert, da Parker sich für seine kostensparenden (Neusprech für "geldumschichtenden") Umstrukturierungsmaßnahmen bei anderen Firmen einen Namen gemacht hat. Den Spitznamen "Prince of darkness". Die Londoner Tube, die eh schon marode wie kein zweites Nahverkehrssystem ist, wird sicherlich nicht als Gewinner am Ende dastehen. Die Pendler vermutlich auch nicht.
Aber vielleicht ich, wenn ich mich als Verkehrsberater bei Johnson verdinge und ihm den Vorschlag verkaufe, das Gesamtpaket aus Congestion-Charge- und Nahverkehrssystem an eine Mineralölfirma zu verscherbeln. Das Desaster kann er bestimmt genauso wie die ihn überfordernde Finanzierungslücken für Olympia 2012 seinen Vorgängern anhängen. Wenn nicht, kann er immer noch ein Witzchen darüber reißen. "Treffen sich zwei AIDS-kranke Neger auf dem Arbeitsamt..." dürfte ein guter Einstieg für das avisierte Zielpublikum sein.
Update Freitag, der 13.: Als ob man nicht schon wüßte, daß Boris Johnson keine Verbindung zur gesellschaftlichen Realität hätte, muß er es immer wieder aufs Neue bestätigen. Sein letzter Vorstoß zur Bekämpfung der Jugendkriminalität: Lateinunterricht für gewalttätige Jugendliche. Langsam beschleicht mich das Gefühl, auch seine früheren Witze waren eigentlich ernstgemeinte Vorschläge.
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Sonntag, 1. Juni 2008
am Sonntag, 1. Juni 2008, 01:10 im Topic 'Worte, nichts als Worte'
And it came to me then. That we were wonderful travelling companions, but in the end no more than lonely lumps of metal on their own separate orbits. From far off they look like beautiful shooting stars, but in reality they're nothing more than prisons, where each of us is locked up alone, going nowhere. When the orbits of these two satellites of ours happened to cross paths, we could be together. Maybe even open our hearts to each other. But that was only for the briefest moment. In the next instant we'd be in absolute solitude. Until we burned up and became nothing.
Sputnik Sweetheart
Haruki Murakami
Sputnik Sweetheart
Haruki Murakami
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am Sonntag, 1. Juni 2008, 01:01 im Topic 'Leben oder so'

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Mittwoch, 21. Mai 2008
am Mittwoch, 21. Mai 2008, 20:57 im Topic 'Scheibenwelt'
Passend zum Gewimmer, daß es noch keine DVD von Victor Sjöströms The wind gibt, eine Meldung von Kino on Video. Bei dieser lobenswerten DVD-Schmiede ist für den 29. Juli 2008 die Veröffentlichung seiner Werke The Outlaw and His Wife (1918) und Ingeborg Holm (1913)/A Man There Was (1917) im Doppelpack geplant. Warum das Label diesen den Vorzug gegeben hat, kann man sich dann auf DVD selbst erschließen. Eine Nachfrage hat jedenfalls ergeben, daß in näherer Zukunft The wind nicht bei ihnen erscheinen wird.
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am Mittwoch, 21. Mai 2008, 20:51 im Topic 'Schattenlichter'
Als ich ein junger Bengel war, sind meine Eltern mit mir im Sommer an die Ostsee gefahren. Von unserem Zelt aus war es nicht weit bis zum Strand, dessen Sand sich in langgezogener Kurve sanft ins Meer ergoß. Die Sonne brutzelte die Haut knusprig und das Meer streute kleine Salzkrümel darauf. Kleiner Goldbroilertraum.
Doch ab und zu machten wir einen Abstecher zum Weststrand. Das hatte definitiv seine Vorteile. Ein beständiger Wind trieb die Wellen kindermeterhoch und ließ das Baden wie ein ungeahntes Wagnis erscheinen. Dennoch waren mir diese Ausflüge dahin verhasst. Der Wind trug beständig feinkörnigen Sand mit sich. Ein Wunder, daß der Strand nicht schon seit Urzeiten abgetragen war. Diese Körner zwackten wie Krampen auf der Haut. Man musste sich hinter selbstgebastelten Schutzwällen in Mulden verkriechen, weil sonst, so meine damalige Vorstellung, bald nur noch Fetzen blutigen Fleisches meine Knochen bedecken würden. Die Erwachsenen schienen nichts von diesem fiesen Walten der Natur mitzubekommen. Wahrscheinlich würde ich mich heute auch nicht mehr daran stören.
Victor Sjöström kannte natürlich meine Kindheit nicht. Er starb 1960, lange bevor diese Urlaube meine Erinnerungen prägen konnten. Doch sein Film The Wind ist von einer Universalität, die auf die eine oder andere Weise die Erfahrungswelt eines jeden berührt. Dabei ist die Geschichte in Sjöströms Film ziemlich simpel. Letty, ein verwaistes Stadtmädchen, fährt zu ihrem Cousin, um auf dessen texanischer Ranch unterzukommen. Schon im Zug lernt sie den windigen Geschäftsmann Roddy kennen, der ihr das Blaue vom Himmel verspricht, aber von ihr abgewiesen wird. Auf sie wartet ein glorioses Leben beim Cousin! Die Zukunft ist aber reichlich unerquicklich, weil dessen raubeinige Frau auf die feminine Letty alles andere als freundlich reagiert. Eine Heirat muss her, also wird der erstbeste Cowboy genommen. Daß der auch, ähem, pimpern will, ist Letty aber nicht ganz klar, ist sie doch ins rosarote Märchenland aufgebrochen. Darin haben rote Laken nichts verloren. Während eines besonders heftigen Sturmes bleibt Letty allein zu Hause und wird im Angesicht der Naturgewalten schier wahnsinnig. Taucht da der alte Charmeur Roddy auf, um sie von Texas zu erlösen? Um sie zu verführen? Um sie zu vergewaltigen gar?
Wie gesagt, nichts Außergewöhnliches für eine Erzählung der damaligen Zeit. Junges Mädchen muss sich mittellos durchschlagen und deshalb unter Aufgabe der persönlichen Glücksvorstellungen in die Gegebenheiten der Geschlechterhierarchie einpassen. Die Ausgestaltung des Absturzes aus der besseren Stadtgesellschaft in die einfache rurale Welt mag einen Teil der Attraktivität des Filmes ausmachen. In den Status des Besonderen hebt Sjöström seinen Film aber, indem er die charakterliche Disposition seiner Hauptfigur expressiv in die Sandstürme einschreibt. Sie sind es, die uns mehr als alles andere etwas über das Gefühl des seelischen Verdorrens von Letty erzählen. Wenn der Sand vom Brot rieselt, dann erkennen wir ihre Abscheu vor dem Fraß der Hinterwäldler. Wenn der Wind gegen die Fenster peitscht, dann sehen wir ihre Furcht vor der befremdlichen Welt da draußen. Wenn der Sturm eine Fensterscheibe eindrückt, dann bricht nicht einfach das Glas, sondern die Sicherheit eines geschützten Innens geht für Lettys Seele verloren.
Die Intensität dafür erreicht Sjöström durch Überblendungen, die uns die Gewalt der beseelten Naturkräfte präsent machen. Eine wiederkehrende Sequenz ist die Überlagerung von Sturmwolken mit einem wild herumspringenden Schimmel, dessen Bilder für die damalige Zeit ungewöhnlich lebendig eingefangen sind. Zusätzlich macht der Regisseur dem Zuschauer die Verheerungen spürbar, indem er die Schauspieler während der Dreharbeiten der ganzen Härte des Wüstenlebens aussetzte. Er ließ mitten in der Mojave-Wüste bei 45°C filmen, wobei die Sandstürme von acht Flugzeugpropellern erzeugt wurden. Wegen deren Hitze- und Rauchentwicklung mussten die Crewmitglieder in langen Kleidern und mit Schutzbrillen arbeiten. Sicherlich ein Vergnügen bei Außentemperaturen, die der Hauptdarstellerin Lillian Gish beim Dreh ein Stückchen Haut wegschmorten, als sie ein Metallstück anfasste.
Lillian Gish ist sicherlich die richtige Wahl für die Rolle der Letty gewesen. Ihr leicht übertriebenes Spiel trifft den deliranten Kern ihrer Figur, ihre zerbrechliche Gestalt wird dermaßen vom Wind gebeutelt, daß sie manchmal wie eine Hexe in der Walpurgisnacht im Wind zu tanzen scheint, und ihre Zartheit gibt einen guten Kontrast zur Statur von Dorothy Cummings, die des Cousins eifersüchtige, harte Ehefrau spielt. Deren Aufeinandertreffen mit Letty ist eine Glanzleistung Sjöströms, der nur wenige Utensilien und Szenen benötigt, um die unauflösbare Gegensätzlichkeit der beiden Frauenfiguren herauszuarbeiten. Übertroffen in seiner knapp bemessenen Reichhaltigkeit wird diese Szene nur noch von Lettys Hochzeit; ein kleines Juwel an Akkuratesse, mit wenig Bildern viel zu erzählen und damit ein Maximum an Spannung zu erzeugen. Lettys und Liges, ihres Mannes, Haltung zur Hochzeit wird allein in einem Bild der beiden Hände während der Ringübergabe eingefangen. Bei soviel inszenatorischer Bravour verzeiht man auch gerne das unglaubwürdige Ende und den Einsatz des "lustigen" Sidekicks.
The wind, entstanden kurz vor der Durchsetzung des Tonfilmes, ist ein Werk, welches wirklich davon profitiert, daß man nicht die Banalität der Dialoge hören muss, sondern sich statt dessen vollkommen an der Expressivität der Bilder ergötzen kann. Sjöströms Film, beeinflusst von der russischen und deutschen Avantgarde, dürfte einflussreich auf Nachfolgewerke gewesen sein, ist sein Bild- und Motivrepertoire in so disparaten Filmen wie The wizard of Oz (Der Zauberer von Oz) und C'era una volta il West (Spiel mir das Lied vom Tod) wiederzufinden.
Eine Schande, daß es noch keine DVD-Veröffentlichung dieses hervorragenden Werkes gibt. Ingmar Bergman hat Sjöströms Verdienste jedenfalls zu Recht honoriert und ihm eine letzte Auftrittsmöglichkeit in seinem Film Smultronstället (Wilde Erdbeeren) gegeben. Ein alter Mann ist Sjöström da, als Person und als Rolle, der den Sand nicht mehr auf seiner Haut spürt. Man gewöhnt sich über die Jahre an die kleinen Stiche der Körner. Nichts Erstrebenswertes. Aber auch nichts, dessen man sich schämen müßte. In der Rückschau zählen andere Dinge. Werke wie The wind eben.
Doch ab und zu machten wir einen Abstecher zum Weststrand. Das hatte definitiv seine Vorteile. Ein beständiger Wind trieb die Wellen kindermeterhoch und ließ das Baden wie ein ungeahntes Wagnis erscheinen. Dennoch waren mir diese Ausflüge dahin verhasst. Der Wind trug beständig feinkörnigen Sand mit sich. Ein Wunder, daß der Strand nicht schon seit Urzeiten abgetragen war. Diese Körner zwackten wie Krampen auf der Haut. Man musste sich hinter selbstgebastelten Schutzwällen in Mulden verkriechen, weil sonst, so meine damalige Vorstellung, bald nur noch Fetzen blutigen Fleisches meine Knochen bedecken würden. Die Erwachsenen schienen nichts von diesem fiesen Walten der Natur mitzubekommen. Wahrscheinlich würde ich mich heute auch nicht mehr daran stören.
Victor Sjöström kannte natürlich meine Kindheit nicht. Er starb 1960, lange bevor diese Urlaube meine Erinnerungen prägen konnten. Doch sein Film The Wind ist von einer Universalität, die auf die eine oder andere Weise die Erfahrungswelt eines jeden berührt. Dabei ist die Geschichte in Sjöströms Film ziemlich simpel. Letty, ein verwaistes Stadtmädchen, fährt zu ihrem Cousin, um auf dessen texanischer Ranch unterzukommen. Schon im Zug lernt sie den windigen Geschäftsmann Roddy kennen, der ihr das Blaue vom Himmel verspricht, aber von ihr abgewiesen wird. Auf sie wartet ein glorioses Leben beim Cousin! Die Zukunft ist aber reichlich unerquicklich, weil dessen raubeinige Frau auf die feminine Letty alles andere als freundlich reagiert. Eine Heirat muss her, also wird der erstbeste Cowboy genommen. Daß der auch, ähem, pimpern will, ist Letty aber nicht ganz klar, ist sie doch ins rosarote Märchenland aufgebrochen. Darin haben rote Laken nichts verloren. Während eines besonders heftigen Sturmes bleibt Letty allein zu Hause und wird im Angesicht der Naturgewalten schier wahnsinnig. Taucht da der alte Charmeur Roddy auf, um sie von Texas zu erlösen? Um sie zu verführen? Um sie zu vergewaltigen gar?
Wie gesagt, nichts Außergewöhnliches für eine Erzählung der damaligen Zeit. Junges Mädchen muss sich mittellos durchschlagen und deshalb unter Aufgabe der persönlichen Glücksvorstellungen in die Gegebenheiten der Geschlechterhierarchie einpassen. Die Ausgestaltung des Absturzes aus der besseren Stadtgesellschaft in die einfache rurale Welt mag einen Teil der Attraktivität des Filmes ausmachen. In den Status des Besonderen hebt Sjöström seinen Film aber, indem er die charakterliche Disposition seiner Hauptfigur expressiv in die Sandstürme einschreibt. Sie sind es, die uns mehr als alles andere etwas über das Gefühl des seelischen Verdorrens von Letty erzählen. Wenn der Sand vom Brot rieselt, dann erkennen wir ihre Abscheu vor dem Fraß der Hinterwäldler. Wenn der Wind gegen die Fenster peitscht, dann sehen wir ihre Furcht vor der befremdlichen Welt da draußen. Wenn der Sturm eine Fensterscheibe eindrückt, dann bricht nicht einfach das Glas, sondern die Sicherheit eines geschützten Innens geht für Lettys Seele verloren.
Die Intensität dafür erreicht Sjöström durch Überblendungen, die uns die Gewalt der beseelten Naturkräfte präsent machen. Eine wiederkehrende Sequenz ist die Überlagerung von Sturmwolken mit einem wild herumspringenden Schimmel, dessen Bilder für die damalige Zeit ungewöhnlich lebendig eingefangen sind. Zusätzlich macht der Regisseur dem Zuschauer die Verheerungen spürbar, indem er die Schauspieler während der Dreharbeiten der ganzen Härte des Wüstenlebens aussetzte. Er ließ mitten in der Mojave-Wüste bei 45°C filmen, wobei die Sandstürme von acht Flugzeugpropellern erzeugt wurden. Wegen deren Hitze- und Rauchentwicklung mussten die Crewmitglieder in langen Kleidern und mit Schutzbrillen arbeiten. Sicherlich ein Vergnügen bei Außentemperaturen, die der Hauptdarstellerin Lillian Gish beim Dreh ein Stückchen Haut wegschmorten, als sie ein Metallstück anfasste.
Lillian Gish ist sicherlich die richtige Wahl für die Rolle der Letty gewesen. Ihr leicht übertriebenes Spiel trifft den deliranten Kern ihrer Figur, ihre zerbrechliche Gestalt wird dermaßen vom Wind gebeutelt, daß sie manchmal wie eine Hexe in der Walpurgisnacht im Wind zu tanzen scheint, und ihre Zartheit gibt einen guten Kontrast zur Statur von Dorothy Cummings, die des Cousins eifersüchtige, harte Ehefrau spielt. Deren Aufeinandertreffen mit Letty ist eine Glanzleistung Sjöströms, der nur wenige Utensilien und Szenen benötigt, um die unauflösbare Gegensätzlichkeit der beiden Frauenfiguren herauszuarbeiten. Übertroffen in seiner knapp bemessenen Reichhaltigkeit wird diese Szene nur noch von Lettys Hochzeit; ein kleines Juwel an Akkuratesse, mit wenig Bildern viel zu erzählen und damit ein Maximum an Spannung zu erzeugen. Lettys und Liges, ihres Mannes, Haltung zur Hochzeit wird allein in einem Bild der beiden Hände während der Ringübergabe eingefangen. Bei soviel inszenatorischer Bravour verzeiht man auch gerne das unglaubwürdige Ende und den Einsatz des "lustigen" Sidekicks.The wind, entstanden kurz vor der Durchsetzung des Tonfilmes, ist ein Werk, welches wirklich davon profitiert, daß man nicht die Banalität der Dialoge hören muss, sondern sich statt dessen vollkommen an der Expressivität der Bilder ergötzen kann. Sjöströms Film, beeinflusst von der russischen und deutschen Avantgarde, dürfte einflussreich auf Nachfolgewerke gewesen sein, ist sein Bild- und Motivrepertoire in so disparaten Filmen wie The wizard of Oz (Der Zauberer von Oz) und C'era una volta il West (Spiel mir das Lied vom Tod) wiederzufinden.
Eine Schande, daß es noch keine DVD-Veröffentlichung dieses hervorragenden Werkes gibt. Ingmar Bergman hat Sjöströms Verdienste jedenfalls zu Recht honoriert und ihm eine letzte Auftrittsmöglichkeit in seinem Film Smultronstället (Wilde Erdbeeren) gegeben. Ein alter Mann ist Sjöström da, als Person und als Rolle, der den Sand nicht mehr auf seiner Haut spürt. Man gewöhnt sich über die Jahre an die kleinen Stiche der Körner. Nichts Erstrebenswertes. Aber auch nichts, dessen man sich schämen müßte. In der Rückschau zählen andere Dinge. Werke wie The wind eben.
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am Mittwoch, 21. Mai 2008, 20:48 im Topic 'Medien der Massen'
Das Bildblog hat einen Schlagzeil-o-maten unter seinen Extras aufgeführt. Die Beschreibung von dessen Funktionsweise dürfte sich wohl nach obiger Überschrift erübrigen.
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am Mittwoch, 21. Mai 2008, 14:49 im Topic 'Schattenlichter'
Einer meiner Favoriten von Robert Altman ist Short Cuts. Nach fünfzehn Jahren ist mir gestern zum ersten Mal die Bedeutung des Leerzeichens in dem Titel aufgefallen. Länger hat es nur gedauert, um die Sinnverschiebung in Andrei Tarkovskys Солярис in der Mitte des Titels zu begreifen.
Ich gehe heute noch zum Optiker, um diesen ungewöhnlichen Augenfehler untersuchen zu lassen.
Ich gehe heute noch zum Optiker, um diesen ungewöhnlichen Augenfehler untersuchen zu lassen.
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Dienstag, 20. Mai 2008
am Dienstag, 20. Mai 2008, 02:12 im Topic 'Schattenlichter'
Ich bildete mir immer ein, die 3D-Technik sei eine Erfindung der Fünfziger, um dem Fernsehen etwas entgegenzusetzen und den Niedergang der Kinokultur aufzuhalten, indem man Perlen wie Robot Monster oder Cat-Women of the Moon zum wohlverdienten Erfolg verhalf. Wenn dem so wäre, dann sähe es in der Tat schlecht aus ums jetzige Kino, wo doch allerorten Eimäxe aus dem Boden sprießen. Doch ein Blick auf The Illustrated 3D Movie List läßt nur den Schluß zu, daß es seit Anbeginn immer wieder Versuche gab, die vierte Dimension in die Filmtheater zu bringen, und seit einem kleinen Hänger nach den Fünfzigern die Menge an produzierten Filmen stetig zunahm.
Der Hollywood-Reporter berichtet nun, daß die Liste weiter aufgestockt wird. In-Three soll noch in diesem Jahr eine dreidimensionalisierte Fassung von Romeros Klassiker Dawn of the Dead ins Kino bringen. Möchte ich diese aufgepeppte Version sehen? Ich bin skeptisch. Aber anschauen - ja, anschauen muß ich mir das auf jeden Fall.
Der Hollywood-Reporter berichtet nun, daß die Liste weiter aufgestockt wird. In-Three soll noch in diesem Jahr eine dreidimensionalisierte Fassung von Romeros Klassiker Dawn of the Dead ins Kino bringen. Möchte ich diese aufgepeppte Version sehen? Ich bin skeptisch. Aber anschauen - ja, anschauen muß ich mir das auf jeden Fall.
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