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Montag, 28. April 2008
am Montag, 28. April 2008, 09:53 im Topic 'Leben oder so'

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Sonntag, 27. April 2008
am Sonntag, 27. April 2008, 00:34 im Topic 'Schattenlichter'
Fernsehen ist, das weiß man spätestens seit Truffauts wundervollem Fahrenheit 451, eine ganz schön jämmerliche Zuschauerdressur. War es früher die Provinzialität und Beschränktheit des Angebotes auf zwei (DDR) oder drei (BRD) Programme, die Gefühle von Nichtanschlussfähigkeit an das aufregende Weltgeschehen, vulgo Langeweile, hervorriefen, so ist mittlerweile die Diversifikation der Fernsehkanäle das größere Problem geworden. Die Aufhebung der regionalen Grenzen hat nur zu einer Errichtung neuer, thematischer Demarkationslinien im Fernsehen geführt. Die Probleme des Senders Freies Berlin, täglich genügend Regionalnachrichten auf dem Ku-Damm zusammenzukratzen, bei denen wenigstens nicht den weggedösten Rentnern der Kopf vor Eintönigkeit oder grassierender Dummheit explodiert, trifft heutzutage weltweit anzutreffende Spartenkanäle wie "PetTV" oder "Engelsnachrichten". Das verwundert wenig, da sich auf dem Gebiet des metaphysischen Geschwurbels oder der genetischen Grundausstattung von Hunden in den letzten tausend Jahren nicht allzu Weltbewegendes ereignet hat, um 24/7 darüber berichten zu können.
Wer würde dieses satellitengestützte Elend besser kennen als deren Macher? Insofern ist Ángela alles andere als begeistert, daß sie mit ihrem Kameramann eine Nachtreportage aus einer Feuerwehrwache senden soll. Am frühen Abend wenigstens nur uninteressant, bricht mit der Dunkelheit die grenzenlose Fadheit herein. Ein Alarm kommt da wie gerufen, auch wenn die Feuerwehrleute versichern, daß es sich um die Befreiung einer hilfebedürftigen älteren Frau aus ihrer Wohnung handelt. Die Bewohner des Hauses haben sich gemeinsam mit der Polizei vor deren Tür versammelt, die auch fix aufgebrochen ist.
Wenn die verwirrte alte Vettel im Nachthemd sich in einen Polizisten verbeißt, dann weiß man schnell, welche Richtung [Rec] von Jaume Balagueró einschlagen wird. Diesen Kurs behält der Film auch dank nachvollziehbarer Handlungsentwicklungen bei und entfaltet rasant ein Gefühl von Beklemmung, das sich zu einem infernalischen Terrorangriff auf die Nerven der Zuschauer steigert. Lange schon gab es keinen Horrorfilm mehr, bei dem man so festgekrallt am Sesselrand klebte. Wobei am Schlimmsten ist, daß man die Instrumente der televisionären Inquisition kennt und doch nichts gegen deren affektive Wirkung tun kann.
Geschenkt ist deshalb auch der Hinweis auf fehlende Neuigkeit des Konzeptes. Blair Witch Project, 28 weeks later oder Cloverfield mögen konzeptionell verwandt sein, sind aber nicht vergleichbar in der somatischen Auswirkung. Gerade die fehlende Fluchtmöglichkeit macht das Geschehen zu einer Versuchsanordnung, bei der die Figuren wie in einem Rattenkäfig auf die maximale Ausschüttung von Streßhormonen hin untersucht werden sollen.
Wobei man nicht sicher sein kann, ob die Hormonbestimmung nicht eher bei den Zuschauern erfolgen soll. Die Imitation des Reportagestils ist bis auf einen unsinnigen, und deshalb besonders ärgerlichen, Rückspulfehler so verführerisch-trügerisch wie seinerzeit das Reality-TV-Konzept vom fabelhaften Series 7 – The contenders; ein Entziehen ist trotz innerer Ermahnung, es handele sich doch nur um einen Spielfilm, nahezu unmöglich. Die Instabilität der Kameraposition, ganz anders als die Künstlichkeit von Frame-Cutting & Shakycam, erschüttert die Sicherheit der Zuschauerposition, weil sie auf die Sehschule der Nachrichtensendungen zurückgreift. Wir haben gelernt, daß unsichere politische Verhältnisse ihr Entsprechung in einem unsicheren Kamerablick haben. Balagueró reaktiviert unser implizites Wissen für seinen filmischen Alptraum; nicht umsonst heißt die vermeintliche Reportagereihe "Während Du schliefst".
Am Ende werden wir Zuschauer mit dem wiederholt angesprochenen Thema, ob man das ganze Grauen denn dokumentieren müsse, aus dem Film entlassen. Aber was haben wir in den Händen? Nichts. Nichts als Bilder. Bilder, die wir nicht deuten können, sondern nur fühlen. Denn dies ist der eigentliche Topos von [Rec] - das Sehen und das Schauen und die Manipulierbarkeit des Zuschauers, die sich aus deren Unterschied ergibt. Eine Kamera mag Bilder aufnehmen können, die zu schnell für den Menschen sind oder im für das Auge nicht sichtbaren Wellenlängenbereich ihre Information enthalten. Aber die Bilder sehen, das Deuten, das Verstehen, das Schlussfolgern für unser Handeln, das kann die Kamera nicht. Im Gegenteil kann die Bildproduktionsmaschinerie eingesetzt werden, um die Verständlichkeit so weit zu verringern, daß dem Zuschauer kaum mehr als manipulierte Affektreaktion auf die Bilderflut bleibt. Mittendrin und nicht dabei. Wie gesagt – Fernsehen ist eine ganz schön armselige Angelegenheit.
Wer würde dieses satellitengestützte Elend besser kennen als deren Macher? Insofern ist Ángela alles andere als begeistert, daß sie mit ihrem Kameramann eine Nachtreportage aus einer Feuerwehrwache senden soll. Am frühen Abend wenigstens nur uninteressant, bricht mit der Dunkelheit die grenzenlose Fadheit herein. Ein Alarm kommt da wie gerufen, auch wenn die Feuerwehrleute versichern, daß es sich um die Befreiung einer hilfebedürftigen älteren Frau aus ihrer Wohnung handelt. Die Bewohner des Hauses haben sich gemeinsam mit der Polizei vor deren Tür versammelt, die auch fix aufgebrochen ist.
Wenn die verwirrte alte Vettel im Nachthemd sich in einen Polizisten verbeißt, dann weiß man schnell, welche Richtung [Rec] von Jaume Balagueró einschlagen wird. Diesen Kurs behält der Film auch dank nachvollziehbarer Handlungsentwicklungen bei und entfaltet rasant ein Gefühl von Beklemmung, das sich zu einem infernalischen Terrorangriff auf die Nerven der Zuschauer steigert. Lange schon gab es keinen Horrorfilm mehr, bei dem man so festgekrallt am Sesselrand klebte. Wobei am Schlimmsten ist, daß man die Instrumente der televisionären Inquisition kennt und doch nichts gegen deren affektive Wirkung tun kann.
Geschenkt ist deshalb auch der Hinweis auf fehlende Neuigkeit des Konzeptes. Blair Witch Project, 28 weeks later oder Cloverfield mögen konzeptionell verwandt sein, sind aber nicht vergleichbar in der somatischen Auswirkung. Gerade die fehlende Fluchtmöglichkeit macht das Geschehen zu einer Versuchsanordnung, bei der die Figuren wie in einem Rattenkäfig auf die maximale Ausschüttung von Streßhormonen hin untersucht werden sollen.
Wobei man nicht sicher sein kann, ob die Hormonbestimmung nicht eher bei den Zuschauern erfolgen soll. Die Imitation des Reportagestils ist bis auf einen unsinnigen, und deshalb besonders ärgerlichen, Rückspulfehler so verführerisch-trügerisch wie seinerzeit das Reality-TV-Konzept vom fabelhaften Series 7 – The contenders; ein Entziehen ist trotz innerer Ermahnung, es handele sich doch nur um einen Spielfilm, nahezu unmöglich. Die Instabilität der Kameraposition, ganz anders als die Künstlichkeit von Frame-Cutting & Shakycam, erschüttert die Sicherheit der Zuschauerposition, weil sie auf die Sehschule der Nachrichtensendungen zurückgreift. Wir haben gelernt, daß unsichere politische Verhältnisse ihr Entsprechung in einem unsicheren Kamerablick haben. Balagueró reaktiviert unser implizites Wissen für seinen filmischen Alptraum; nicht umsonst heißt die vermeintliche Reportagereihe "Während Du schliefst".
Am Ende werden wir Zuschauer mit dem wiederholt angesprochenen Thema, ob man das ganze Grauen denn dokumentieren müsse, aus dem Film entlassen. Aber was haben wir in den Händen? Nichts. Nichts als Bilder. Bilder, die wir nicht deuten können, sondern nur fühlen. Denn dies ist der eigentliche Topos von [Rec] - das Sehen und das Schauen und die Manipulierbarkeit des Zuschauers, die sich aus deren Unterschied ergibt. Eine Kamera mag Bilder aufnehmen können, die zu schnell für den Menschen sind oder im für das Auge nicht sichtbaren Wellenlängenbereich ihre Information enthalten. Aber die Bilder sehen, das Deuten, das Verstehen, das Schlussfolgern für unser Handeln, das kann die Kamera nicht. Im Gegenteil kann die Bildproduktionsmaschinerie eingesetzt werden, um die Verständlichkeit so weit zu verringern, daß dem Zuschauer kaum mehr als manipulierte Affektreaktion auf die Bilderflut bleibt. Mittendrin und nicht dabei. Wie gesagt – Fernsehen ist eine ganz schön armselige Angelegenheit.
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am Sonntag, 27. April 2008, 00:30 im Topic 'Leben oder so'

Eine der weniger auffälligen Auswirkungen der Terroranschläge auf London ist die vollkommene Abwesenheit von Papierkörben im Innenstadtbereich. Selten sticht die Entfernung der Abfallbehälter so ins Auge wie in diesem Fall.
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Donnerstag, 24. April 2008
am Donnerstag, 24. April 2008, 00:11 im Topic 'Musik liegt in der Luft'
Nein. "She" ist nicht Nelly, The Elephant. Trotzdem jetzt alle:
oooooooooooooooooo....
YouTube Direktpogo
oooooooooooooooooo....
YouTube Direktpogo
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Dienstag, 22. April 2008
am Dienstag, 22. April 2008, 03:10 im Topic 'Medien der Massen'
Aus unrühmlichen Anlaß, Til Schweigers autoerotisch anmutendem Schulterklopfen wegen boshaft profilierwilliger Filmkritikerschar, bin ich in einer Rubrik der Süddeutschen Zeitung namens Sagen Sie jetzt nichts gelandet. Darin dürfen müssen Prominente auf journalistische, na ja, Fragen mimisch ihre Antworten darstellen, die sie vermutlich nicht mal in Worte fassen könnten. Das hört sich nicht nur dummdreist an, das sieht auch so aus. Wenn man der Parteischranze Nahles zuschauen soll, wie sie sich Oskar Lafontaine vorstellt, oder Jan Delay uns überzeugt, daß Deutsch für ihn wohl eine Fremdsprache ist, dann möchte man dem Erfinder von Scharaden doch gerne ordentlich den Arsch versohlen. Das Rumgeruder mit Händen und Gesicht vor des Fotografen Linse soll wahrscheinlich bildkompatibel sein, ist indes aber nur bildzeitungskompatibel, bewirkt das Format schließlich das Herunterbrechen der Erwiderungen auf den primitivsten Gedanken.
Womit man wieder bei oben erwähntem Til ist. Der sollte für den Fotografen aus seinem berühmten, lexikalisch anmutenden Repertoire der Gesichtsverrenkungen nur einige wenige präsentieren und hat tatsächlich sechs von sieben Emotionen (neidisch, das kenne er nicht) hinbekommen. Die Bilder sind eine Offenbarung für alle renitenten Kritiker und werden sicher demnächst von allen großen Illustrierten veröffentlicht.
In der Rubrik Finden sie die zehn Unterschiede.
Bitte sagen Sie jetzt nichts, Hildegard.
Womit man wieder bei oben erwähntem Til ist. Der sollte für den Fotografen aus seinem berühmten, lexikalisch anmutenden Repertoire der Gesichtsverrenkungen nur einige wenige präsentieren und hat tatsächlich sechs von sieben Emotionen (neidisch, das kenne er nicht) hinbekommen. Die Bilder sind eine Offenbarung für alle renitenten Kritiker und werden sicher demnächst von allen großen Illustrierten veröffentlicht.
In der Rubrik Finden sie die zehn Unterschiede.
Bitte sagen Sie jetzt nichts, Hildegard.
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Dienstag, 22. April 2008
am Dienstag, 22. April 2008, 01:22 im Topic 'Politix & Demokratur'
Petitionen sind eigentlich eine dufte Sache, denn sie demonstrieren den Volkswillen. Der ist in linken Kreisen hochgeschätzt, ungeachtet allen Schwachsinns, den er (also jetzt nicht gewollt mißverstehen als: der linke Kreis) im vergangenen Jahrhundert angerichtet hat. Der Volkswille ist, wenig überraschend, sumpfig schwankend. Mal beschäftigt er sich mit den wie immer zu hohen Steuern, mal gurkt ihm das Vorurteil durch den Wasserkopf, der Ausländer sei an allem schuld, mal ist ihm das verquere Gesamtwerk von Uwe Boll ein Dorn im Auge. Der hatte in einem Interview mit Fearnet großmäulig verkündet, eine bestehende Liste mit 18.000 Unterschriften würde ihn nicht vom weiterem Filmausstoß/Videospielverhunzen abhalten, dazu müßten schon eine Million Unterzeichner her. Daraufhin gab es einen regelrechten Boom; innerhalb einer Woche machten sich ca. 200.000 Bollsche Retinainvaliden Luft. Inzwischen ist der Herr Doktor schon zurückgerudert, nein, nein, so ernst sei das ihm nicht gewesen und außerdem dürfe er doch nicht weitere seiner Machwerke allen seinen Fans vorenthalten. Allen 2.000.
Dennoch können in Zeiten des kapitalistischen Machtgefüges Petitionen eine Artikulationsmöglichkeit der Unterdrückten sein. So weit die Theorie. Damals, an meiner Grundschule in Ostberlin, vulgo POS, kamen mir erste Zweifel am Sinn derartiger Meinungsäußerungen. Erklärt wurde mir das Prinzip Petition anhand unserer Postkartenaktion für Angela Davis. Die saß als Negerin (so weit war damals die Sprachbildung der Unterstufenlehrer noch nicht, daß man Schwarze gesagt hätte) ungerechtfertigterweise im Gefängnis, irgendwo ziemlich weit weg, mindestens aber hinter der weißen Mauer zu Westberlin, an der man prima Fußball spielen konnte. Daß es mit dem Einsperren von ihr nicht gerecht zugegangen sein musste, war klar, denn wir hatten davon schon beim Fahnenappell gehört. Also sollten wir ganz viele Postkarten schreiben, damit der böse Kapitalismus sie freilässt. Dies war wiederum überhaupt nicht für einen Zehnjährigen einleuchtend. Warum sollte der US-Imperialist in seiner grenzenlosen Gemeinheit nicht einfach meine liebevoll gestaltete Postkarte wegwerfen und Angela Davis entsprechend Generalplan im Gefängnis verrotten lassen? Die Antwort des Lehrkörpers war vorerst zufriedenstellend. Wenn einer eine Karte schreibt, dann wird diese Karte fix im Papierkorb entsorgt. Wenn etliche Leute eine Postkarte schreiben, dann wird ein Sack davon weggeworfen. Aber wenn ganz viele Leute diese Aktion unterstützen, dann wird irgendwann nicht mehr diese postalische Flut ignoriert werden können.
Bei genauerem Nachdenken erwies sich das Konstrukt als nicht schlüssig. Schließlich hatte man uns beigebracht, daß der Kapitalismus auch vor Mord nicht zurückschrecken würde. Warum sollte er also nicht ein kleines Feuerchen entfachen, um sich der ungeliebten Briefe zu entledigen? (In meiner kindlichen Vorstellung natürlich direkt neben dem Gefängnistor – als ob die Verantwortlichen vollkommen überrascht im Knast feststellen, daß all die Karten für Angela waren und, nachdem alle Teppiche und Kommodenschubladen sich schon wegen zu versteckender Karten wölbten, ganz einfach den erstbesten Platz vor dem Gefängnistor nahmen - der natürlich detailgetreu in meiner Phantasie so aussah, wie jener aus den Olsenbandenfilmen.) Ich wagte aber nicht noch einmal nachzuhaken, da die Lehrer schon beim ersten Mal innerlich die Augenbrauen hoben ob meines klassenstandpunktunverträglichen Gefrages.
Auch heute denke ich noch, daß die mir gegebene Antwort ein Knackpunkt der offiziellen Argumentation war. Man hätte zum Beispiel viel cleverer reagieren können und Angela Davis eigene Worte vorwegnehmen können: "Als ich damals in der Gefängniszelle saß in Kalifornien, habe ich viele Stunden, Tage und Wochen damit verbracht, die Postkarten zu lesen, die von Schulkindern geschrieben worden waren für die Kampagne »Eine Million Rosen für Angela«." Die Petition ist schließlich auch eine Sympathiebekundung für den Unterdrückten, der sich trotz Ausgrenzungsstrategien seitens der Gesellschaft mit seinen Aktionen nicht mehr so vereinzelt fühlt. Ja, genau. Das böse S-Wort.
Vielleicht sind aber auch nicht alle Menschen einfach nur Charaktermasken des Kapitals. Nicht jeder Beamte ist zum Pinochet ausbaubar und so mancher Verantwortliche ist einfach nur ein kleiner Spießer, der sinnlos beharrlich seinen einmal eingeschlagenen Weg verfolgt, bis eine Kraft ihn von seinem Kurs abbringt. Man sieht schon, wo der Spruch vom kometenhaften Aufstieg seine Ursprünge hat.
Mit diesen Gedanken im Kopf habe ich meine frühkindliche Prägung leichterhand über Bord geworfen und jene Petition unterzeichnet, die die thailändischen Zensoren zum Umdenken bewegen soll. Diese hatten Apichatpong Weerasethakuls neuen Film Sang sattawat (Syndromes and a Century) nicht nur beanstandet, etwas, das man in Deutschland, natürlich nur zum Schutz der armen Kinder, zur Genüge kennt, sondern sie wollten die vorgelegte Filmkopie auch nur in ihrer geschnittenen Form wieder rausrücken. Diese staatliche Zugriffsmöglichkeit auf künstlerische Werke sollte angeprangert werden. Vor allem, weil die Petition sich über den aktuellen Fall hinaus erhebt und eine generelle Reform des veralteten rechtlichen Hintergrundes verlangt.
Ach ja, und wenn wir hier gerade so gemütlich beim Online-Protestieren sind, dann sollten wir uns auch nicht verweigern, die folgende Forderung zu unterstützen: "Free Hat!"
Aber dalli, zack, zack!
Dennoch können in Zeiten des kapitalistischen Machtgefüges Petitionen eine Artikulationsmöglichkeit der Unterdrückten sein. So weit die Theorie. Damals, an meiner Grundschule in Ostberlin, vulgo POS, kamen mir erste Zweifel am Sinn derartiger Meinungsäußerungen. Erklärt wurde mir das Prinzip Petition anhand unserer Postkartenaktion für Angela Davis. Die saß als Negerin (so weit war damals die Sprachbildung der Unterstufenlehrer noch nicht, daß man Schwarze gesagt hätte) ungerechtfertigterweise im Gefängnis, irgendwo ziemlich weit weg, mindestens aber hinter der weißen Mauer zu Westberlin, an der man prima Fußball spielen konnte. Daß es mit dem Einsperren von ihr nicht gerecht zugegangen sein musste, war klar, denn wir hatten davon schon beim Fahnenappell gehört. Also sollten wir ganz viele Postkarten schreiben, damit der böse Kapitalismus sie freilässt. Dies war wiederum überhaupt nicht für einen Zehnjährigen einleuchtend. Warum sollte der US-Imperialist in seiner grenzenlosen Gemeinheit nicht einfach meine liebevoll gestaltete Postkarte wegwerfen und Angela Davis entsprechend Generalplan im Gefängnis verrotten lassen? Die Antwort des Lehrkörpers war vorerst zufriedenstellend. Wenn einer eine Karte schreibt, dann wird diese Karte fix im Papierkorb entsorgt. Wenn etliche Leute eine Postkarte schreiben, dann wird ein Sack davon weggeworfen. Aber wenn ganz viele Leute diese Aktion unterstützen, dann wird irgendwann nicht mehr diese postalische Flut ignoriert werden können.
Bei genauerem Nachdenken erwies sich das Konstrukt als nicht schlüssig. Schließlich hatte man uns beigebracht, daß der Kapitalismus auch vor Mord nicht zurückschrecken würde. Warum sollte er also nicht ein kleines Feuerchen entfachen, um sich der ungeliebten Briefe zu entledigen? (In meiner kindlichen Vorstellung natürlich direkt neben dem Gefängnistor – als ob die Verantwortlichen vollkommen überrascht im Knast feststellen, daß all die Karten für Angela waren und, nachdem alle Teppiche und Kommodenschubladen sich schon wegen zu versteckender Karten wölbten, ganz einfach den erstbesten Platz vor dem Gefängnistor nahmen - der natürlich detailgetreu in meiner Phantasie so aussah, wie jener aus den Olsenbandenfilmen.) Ich wagte aber nicht noch einmal nachzuhaken, da die Lehrer schon beim ersten Mal innerlich die Augenbrauen hoben ob meines klassenstandpunktunverträglichen Gefrages.
Auch heute denke ich noch, daß die mir gegebene Antwort ein Knackpunkt der offiziellen Argumentation war. Man hätte zum Beispiel viel cleverer reagieren können und Angela Davis eigene Worte vorwegnehmen können: "Als ich damals in der Gefängniszelle saß in Kalifornien, habe ich viele Stunden, Tage und Wochen damit verbracht, die Postkarten zu lesen, die von Schulkindern geschrieben worden waren für die Kampagne »Eine Million Rosen für Angela«." Die Petition ist schließlich auch eine Sympathiebekundung für den Unterdrückten, der sich trotz Ausgrenzungsstrategien seitens der Gesellschaft mit seinen Aktionen nicht mehr so vereinzelt fühlt. Ja, genau. Das böse S-Wort.
Vielleicht sind aber auch nicht alle Menschen einfach nur Charaktermasken des Kapitals. Nicht jeder Beamte ist zum Pinochet ausbaubar und so mancher Verantwortliche ist einfach nur ein kleiner Spießer, der sinnlos beharrlich seinen einmal eingeschlagenen Weg verfolgt, bis eine Kraft ihn von seinem Kurs abbringt. Man sieht schon, wo der Spruch vom kometenhaften Aufstieg seine Ursprünge hat.
Mit diesen Gedanken im Kopf habe ich meine frühkindliche Prägung leichterhand über Bord geworfen und jene Petition unterzeichnet, die die thailändischen Zensoren zum Umdenken bewegen soll. Diese hatten Apichatpong Weerasethakuls neuen Film Sang sattawat (Syndromes and a Century) nicht nur beanstandet, etwas, das man in Deutschland, natürlich nur zum Schutz der armen Kinder, zur Genüge kennt, sondern sie wollten die vorgelegte Filmkopie auch nur in ihrer geschnittenen Form wieder rausrücken. Diese staatliche Zugriffsmöglichkeit auf künstlerische Werke sollte angeprangert werden. Vor allem, weil die Petition sich über den aktuellen Fall hinaus erhebt und eine generelle Reform des veralteten rechtlichen Hintergrundes verlangt.
Ach ja, und wenn wir hier gerade so gemütlich beim Online-Protestieren sind, dann sollten wir uns auch nicht verweigern, die folgende Forderung zu unterstützen: "Free Hat!"
Aber dalli, zack, zack!
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Donnerstag, 17. April 2008
am Donnerstag, 17. April 2008, 11:57 im Topic 'Leben oder so'
Wie es sich für einen ordentlichen, frisch gescheitelten und überhaupt genetisch normgerechten neuen Nutzer gehört, macht man zuerst seine Aufwartung beim Hausherrn. Im Falle von Antville scheint das Elise zu sein; eine Namensgebung, die schon etwas verwundert. Andererseits vielleicht wiederum nicht, weil nur ihrer Inkompetenz blauen Gutmütigkeit zu verdanken ist, daß es überhaupt ein Ameisendorf gibt. Mit Charlie. Dem einzigen Bewohner.
Über Charlie wollen wir aber gar nicht weiter reden, sonst ziehen wir uns nur die Aufmerksamkeit seiner fiesen Brüder von Happy tree friends zu und wer weiß, wer das überlebt. Trotzdem - Ameisencontent ist das Gebot der Stunde.
Eine freudige Botschaft für die Liebhaber intelligenter Science Fiction. Phase IV von Saul Bass soll von Legend Films im Juli veröffentlicht werden. Damit ist der elend lange Hickhack um die Veröffentlichung durch Paramount Deutschland uninteressant geworden. Das Cover von Phase IV gibt es nicht nur hier als Miniatur, sondern auch bei den Jungs von DVD Drive-In zusammen mit einer Reihe weiterer interessanter Titel zu bestaunen. Man beachte vor allem Zero Population Growth und The man who could cheat death.

Die andere Ameise ist wohl für Elise etwas groß geraten. Menzel 3, so deren offizieller Titel, besteht zwar nur aus Kopf und dem ersten Segment der Ameise, ist aber schon allein damit mehr als ein Lichtjahr lang.

Geschossen wurde die Aufnahme eines sterbenden Sterns vom unvergleichlich abbildungstreuen Hubble-Teleskop. Bilder höherer Auflösung und Aufnahmen weiterer astronomischer Objekte kann man auf Hubbles Internetseite betrachten. Besonders die Option hochauflösender Bilder mit Lupenfunktion ist sehr reizvoll. Egal in welches schwarze Gebiet man zoomt, es gibt immer unendlich viele Sterne unterschiedlichster Coleur zu bewundern. Nicht nur für den gemeinen Hobbyastronomen empfehlenswert.
Über Charlie wollen wir aber gar nicht weiter reden, sonst ziehen wir uns nur die Aufmerksamkeit seiner fiesen Brüder von Happy tree friends zu und wer weiß, wer das überlebt. Trotzdem - Ameisencontent ist das Gebot der Stunde.
Eine freudige Botschaft für die Liebhaber intelligenter Science Fiction. Phase IV von Saul Bass soll von Legend Films im Juli veröffentlicht werden. Damit ist der elend lange Hickhack um die Veröffentlichung durch Paramount Deutschland uninteressant geworden. Das Cover von Phase IV gibt es nicht nur hier als Miniatur, sondern auch bei den Jungs von DVD Drive-In zusammen mit einer Reihe weiterer interessanter Titel zu bestaunen. Man beachte vor allem Zero Population Growth und The man who could cheat death.

Die andere Ameise ist wohl für Elise etwas groß geraten. Menzel 3, so deren offizieller Titel, besteht zwar nur aus Kopf und dem ersten Segment der Ameise, ist aber schon allein damit mehr als ein Lichtjahr lang.

Geschossen wurde die Aufnahme eines sterbenden Sterns vom unvergleichlich abbildungstreuen Hubble-Teleskop. Bilder höherer Auflösung und Aufnahmen weiterer astronomischer Objekte kann man auf Hubbles Internetseite betrachten. Besonders die Option hochauflösender Bilder mit Lupenfunktion ist sehr reizvoll. Egal in welches schwarze Gebiet man zoomt, es gibt immer unendlich viele Sterne unterschiedlichster Coleur zu bewundern. Nicht nur für den gemeinen Hobbyastronomen empfehlenswert.
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Mittwoch, 16. April 2008
am Mittwoch, 16. April 2008, 21:50 im Topic 'Worte, nichts als Worte'
Ognuno sta solo sul cuor della terra
trafitto da un raggio di sole:
ed è subito sera
Und plötzlich ist Abend
Jeder steht allein auf dem Herzen der Erde
Durchbohrt von einem Sonnenstrahl :
Und plötzlich ist Abend.
Salvatore Quasimodo
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